Medizinisch-wissenschaftliche Informationen zu Knieverletzungen

Einsatz von Knieorthesen im konservativen sowie prä- und postoperativen Bereich

Medizinisch-wissenschaftliche Informationen zu Knieverletzungen

Knieorthesen unterstützen die funktionelle Therapie bei Patienten mit Verletzungen im Bereich des Kniegelenks

Verletzungen im Bereich des Kniegelenks sind eine häufige Diagnose, die den prä- oder postoperativen sowie den konservativen Einsatz einer Knieorthese erfordern können. Nicht nur in den beiden S1-Leitlinien zur vorderen und hinteren Kreuzbandruptur wird der Einsatz von Knieorthesen als konservative Behandlungsmaßnahme empfohlen:1,2 Auch aus Sicht der Patienten kommt dem Tragen von Knieorthesen nach einer Verletzung eine große Bedeutung zu.

In zwei repräsentativen Patientenumfragen konnte gezeigt werden, dass Knieorthesen als Hilfsmittel genutzt und auch gerne und konsequent getragen werden. Knieorthesen können dabei das Operationsergebnis schützen und unterstützen den Patienten in seiner frühfunktionellen Therapie.3-5 Zusätzlich zeigte sich in den Umfragen eine hohe Patientenzufriedenheit: 94 Prozent der Nutzer würden eine Knieorthese weiterempfehlen.

Nähere Informationen – unter anderem zu den Patientenumfragen und Leitlinien-Empfehlungen – finden Sie unter den jeweiligen Reitern.

Patientenumfrage Schutzfunktion

Subjektive Schutzfunktion einer Knieorthese in kritischen Alltagssituationen bestätigt4,5

In klinischen Studien zu traumatischen Knieverletzungen liegt der Fokus auf klinisch objektivierbaren Endpunkten (vor allem funktionelle Outcomes). Der subjektive, patienten-relevante Nutzen einer Knieorthese in der frühen Rehabilitationsphase wird jedoch selten untersucht. Deshalb führte medi von März bis September 2018 eine repräsentative Umfrage mit 2.956 Patienten durch, denen die Hartrahmenorthesen M.4s comfort oder M.4 X-lock aufgrund einer Verletzung im Bereich des Kniegelenks verschrieben wurden.

Neben Informationen zur Indikation, Ätiologie der Verletzung und Therapie wurden auch die Häufigkeit kritischer Ereignisse während der Rehabilitation sowie Nutzen und Tragekomfort der Orthese abgefragt. 

Erstmalig konnte in einer großen Umfrage mit fast 3.000 Patienten nachgewiesen werden, dass bei 63 Prozent der Patienten tatsächlich ein das OP-Ergebnis gefährdendes Ereignis aufgrund einer kritischen Alltagssituation eintrat. (Abb. 1). 

94 Prozent der Teilnehmer bestätigten, dass ihnen die Orthese Sicherheit gegeben und diese sie bei der Therapie unterstützt habe (Abb. 2A). Im Rahmen der Patientenumfrage wurde zusätzlich gezeigt, dass die Knieorthese 87 Prozent der Teilnehmer Sicherheit gab, das Knie richtig zu strecken und anzuwinkeln (Abb. 2B). 92 Prozent der Patienten stimmten zu / voll zu, dass die Orthese sie vor kritischen beziehungsweise gefährlichen Kniebewegungen schützte (Abb. 2C).
Als kritische Situation wurde unter anderem folgendes angegeben:

  • zu starkes Anwinkeln des Knies
  • zu starkes Strecken des Knies
  • Knie verdrehen
  • Stolpern
  • Stürzen

Die Verarbeitung und der Umgang mit der Knieorthese wurden von einem Großteil der Befragten als sehr zufriedenstellend empfunden. Dies spiegelte sich in einer sehr hohen Weiterempfehlungsrate von 94 Prozent wider. 93 Prozent der Patienten bewerteten die Qualität der Orthese und 77 Prozent den Tragekomfort als gut bis sehr gut. 84 Prozent der Teilnehmer gaben die Handhabung als gut bis sehr gut an. 

Zusammenfassend liefert die repräsentative Patientenbefragung Hinweise, dass die Patienten durch das Tragen einer Orthese ein gesteigertes Vertrauen und ein subjektiv höheres Sicherheits- und Stabilitätsgefühl empfinden – vor allem in kritischen Alltagssituationen. Dies kann eine schnellere Mobilisierung und Rückkehr in Beruf und Alltag ermöglichen.

Infografik: Repräsentative Patientenbefragung

Erfahren Sie mehr zum Umfragedesign, zu den Teilnehmern und zu den Ergebnissen.

Jetzt Infografik ansehen 

Erhardt A. Subjektive Schutzfunktion einer Knieorthese in kritischen Alltagssituationen. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage mit 3.000 Patienten. Orthopädie Technik 2019; Ausgabe 2/2019:32-37.


Die Veröffentlichung der Patientenumfrage können Sie sich hier herunterladen:

Die Ergebnisse einer weiteren Patientenumfrage zur Nutzung von medizinischen Hilfsmitteln finden Sie unter dem Register „Patientenumfrage – Allensbach II“.

Patientenumfrage Allensbach II

Patientenumfrage bestätigt positive Wirkung bei der Nutzung medizinischer Hilfsmittel3

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat fünf Jahre nach einer ersten Befragung zur Nutzung von medizinischen Hilfsmitteln (Bandagen, Orthesen, Medizinische Kompressionsstrümpfe und Einlagen) eine zweite Umfrage im Auftrag von eurocom e. V. durchgeführt. Diese bestätigte die Ergebnisse der ersten Befragung.

Die aktuellen Umfragewerte zeigen, dass der Bedarf und die Nutzung medizinischer Hilfsmittel weiter steigen. Besonders dem Einsatz von Bandagen und Orthesen am Kniegelenk kommt hier eine große Bedeutung zu: 43 Prozent der Patienten gaben in der Befragung an, dass sie eine Kniebandage beziehungsweise -orthese tragen.

Alle Ergebnisse der Befragung können Sie unter www.eurocom-info.de herunterladen.

Nähere Informationen zur konservativen Behandlung von Knieverletzungen finden Sie unter dem Register Leitlinien.

Leitlinien

Leitlinien zu Kreuzbandrupturen und Verletzungen des Meniskus

Die beiden S1-Leiltinien "Vordere Kreuzbandruptur" und "Hintere Kreuzbandruptur" sowie die S2k-Leitlinie "Meniskuserkrankungen" sprechen sich für den Einsatz konservativer Therapiemaßnahmen, unter anderem für die Anwendung einer Knieorthese bei Verletzungen im Bereich des Kniegelenks, aus.

Knieorthese M4s comfort

Vordere Kreuzbandruptur: Konservative Therapie bei älteren, weniger aktiven Patienten

Liegt beispielsweise eine isolierte Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) vor, ist die Einleitung einer konservativen Therapie möglich – vor allem bei älteren Patienten mit reduziertem Aktivitätsanspruch.

Bei jüngeren Patienten mit hoher Aktivität ist die operative Versorgung die häufigere Behandlungsmethode. Die postoperativen Maßnahmen sehen eine aktive Durchführung mit Bewegungstherapie und funktioneller Orthese (beispielsweise M4s comfort) vor.

Bei einer Kombinationsverletzung (VKB-Ruptur und Innenband-Ruptur) wird das vordere Kreuzband in der Regel operativ, das Seitenband aufgrund seiner hohen Spontanheilung in der Regel mit einer funktionellen Orthese versorgt.1

Knieorthese  M4s PCL dynamic

Hintere Kreuzbandruptur: Frühzeitige Diagnosestellung und Einleitung einer adäquaten Orthesenbehandlung

In der Leitlinie zur hinteren Kreuzbandruptur (HKB) kommt der Orthese als konservative Maßnahme ein hoher Stellenwert zu: Selbst bei einem aktiven jungen Patienten ist die konservative Behandlung mit einer Knieorthese legitim beziehungsweise die Option der Wahl. Als besonders wichtig wird bei dieser Indikation die frühzeitige Diagnosestellung und Einleitung einer adäquaten Orthesen-Behandlung erachtet.

Beim postoperativen Einsatz der Knieorthese nach einer HKB-Plastik sollte das Kniegelenk zuerst in einer Schiene mit Wadenpad (beispielsweise medi PTS) gelagert werden. Alternativ wird die Verwendung einer Orthese mit aktiver Wadenunterstützung (beispielsweise M4s PCL dynamic) empfohlen, in der auch die Bewegungstherapie durchgeführt wird.2

M4s X-Lock

Meniskuserkrankungen: Möglichkeiten der konservativen, operativen und postoperativen Behandlung

In der S2k-Leitlinie zur Meniskuserkrankung werden ebenfalls die Möglichkeiten der konservativen, operativen und postoperativen Behandlungsmethoden nach Meniskusläsionen thematisiert. Konservative Therapiemöglichkeiten stehen vor allem bei Patienten mit negativen klinischen Meniskuszeichen, aber sichtbarer Meniskusläsionen im MRT im Fokus. Ebenso bei symptomatischen Patienten mit degenerativen Gelenkveränderungen.6

Knieorthesen (beispielsweise M4s X-Lock) können den Patienten vor allem postoperativ (zum Beispiel nach Meniskusnaht) bei Bewegungen mit axialer Belastung unterstützen. Damit wird die Kombination „Flexion“ und „Vollbelastung“ vermieden (in Extensionsstellung fixiertes Knie).

Die komplette Leitlinie zu vorderer und hinterer Kreuzbandruptur sowie Meniskuserkrankung können Sie unter www.awmf.org herunterladen.

S1-Leitlinie 012/005 Vordere Kreuzbandruptur

S1-Leitlinie 012/029 Hintere Kreuzbandruptur

S2k-Leitlinie 033/006 – Meniskuserkrankungen

Studien / Übersichtsarbeiten

Die Versorgung mit Knieorthesen nach vorderer Kreuzbandruptur ist sinnvoll

Neben der S1-Leiltinie zur vorderen Kreuzbandruptur wird auch in klinischen Studien und Übersichtsarbeiten der Einsatz von Knieorthesen nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) empfohlen: Rauch et al weisen in ihrer Veröffentlichung darauf hin, dass nach erfolgter VKB-Plastik eine Orthese „[…] das Knie aber in der Frühphase vor unvorhersehbaren Stürzen oder Überbelastung schützen [kann]. Zusätzlich bietet eine Orthese eine Protektion bei mangelnder Compliance des Patienten.“7 Befragt man Ärzte zur Verwendung von Knieorthesen zeigt sich, dass 82,8 Prozent das von ihnen operierte Gelenk mit einer Hartrahmenorthese schützen (Abb. 1).8

Dr. Valle bestätigt, dass „eine Orthese nach einer Operation am Kniegelenk – abhängig von Erkrankung, OP-Verfahren und patientenbezogenen Faktoren – dem Patienten subjektiv mehr Sicherheit in seiner Bewegung vermitteln und unnötige Ängste nehmen [kann].“9 Dies entspricht auch dem Ergebnis der repräsentativen „Patientenumfrage Schutzfunktion“ , die die subjektive Schutzfunktion einer Knieorthese in kritischen Alltagssituationen gezeigt hat.

Der Einsatz von Knieorthesen zur Versorgung nach hinterer Kreuzbandruptur als Therapie der Wahl10

Yasen rät in seiner 2019 veröffentlichten Übersichtsarbeit dazu, die verfügbaren Knieorthesen sowohl in der Akutphase nach einer Ruptur des hinteren Kreuzbandes (HKB) als auch postoperativ nach HKB-Rekonstruktion einzusetzen. Durch einen frühzeitigen Einsatz von Knieorthesen können somit alle isolierten PCL-Verletzungen potentiell konservativ behandelt werden:

  • Bei der Diagnosestellung und in der akuten Phase nach der Verletzung kommen statische Varianten der Knieorthesen (wie die medi PTS) zum Einsatz.
  • Zur weiteren Therapie der Verletzung nach der Akutphase werden die dynamischen Knieorthesen (beispielsweise M4s PCL dynamic), die vor allem die Stabilisierung der hinteren Schublade (posteriore tibiale Translation) mit einem dorsalem, aktiven Wadenpad unterstützen, empfohlen.