Rückenschmerzen (Lumbalgie)

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden – besonders die Lumbalgie im unteren Rücken. Erfahren Sie, welche Ursachen für Lumbalgie infrage kommen und wie Sie Ihren Rücken mit Bewegung, Therapie und medizinischen Hilfsmitteln gezielt entlasten können.

Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer eins

Lumbalgie: Starke akute Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS)

Rückenschmerzen sind Beschwerden entlang der Wirbelsäule – vom Nacken über den Brustbereich bis zum Steißbein. Am häufigsten treten Schmerzen im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, man spricht dann auch von Lumbalgie.

61,3 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Rückenschmerzen gehabt zu haben. Frauen berichten mit einer Prävalenz von 66,0 Prozent signifikant häufiger von Rückenschmerzen als Männer mit 56,4 Prozent. Schmerzen des unteren Rückens treten in der Allgemeinbevölkerung mit 52,9 Prozent etwa doppelt so häufig auf wie Schmerzen des oberen Rückens mit 27,4 Prozent.1

Mehr zu Anatomie der Wirbelsäule finden Sie hier.

Die häufigsten Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen entstehen häufig durch funktionelle Störungen, Muskelverspannungen oder Fehlbelastungen im Alltag. Sie treten häufig infolge von langem Sitzen, einer ungünstigen Haltung vor dem Computer, schwerem Heben und Tragen oder längerem Bücken auf, beispielsweise bei der Gartenarbeit. Auch Übergewicht und eine schwach ausgeprägte Rumpfmuskulatur erhöhen das Risiko deutlich. Zudem kann sich der Zustand der Rumpfmuskulatur durch zu wenig Bewegung verschlechtern, was zu akuten Rückenschmerzen führen kann.

Ein Hexenschuss tritt meist plötzlich nach ruckartigen Bewegungen wie Heben, Bücken, Drehen auf – meist verursacht durch Muskelzerrungen oder funktionelle Beschwerden wie Wirbelblockaden. Die Schmerzen sind sehr intensiv, die Patient:innen können sich anfangs kaum bewegen und nehmen aufgrund der schmerzbedingten Bewegungseinschränkung eine Schonhaltung ein.

Diagnose: Wie werden Rückenschmerzen abgeklärt?

Die Diagnose von Rückenschmerzen beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese, also dem ärztlichen Gespräch, in dem die Beschwerdedauer, die Lokalisation der Schmerzen und die Alltagssituation der Patient:innen abgeklärt werden. Bei unspezifischem Rückenschmerz liegen keine sensorischen und motorischen Ausfälle vor.

Anschließend folgt eine klinische körperliche Untersuchung. Ärzt:innen prüfen Beweglichkeit, Haltung und Muskelspannung an der Wirbelsäule. Treten Hinweise auf eine Nervenbeteiligung auf – etwa Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Kraftverlust in den Beinen – werden zusätzlich neurologische Tests durchgeführt, zum Beispiel Muskelkraft- und Reflexprüfungen.

Die nationale Leitlinie Nicht-spezifischer Rückenschmerz2 empfiehlt, beim Erstkontakt auf weiterführende diagnostische Maßnahmen zu verzichten, wenn Anamnese und Untersuchung keine Hinweise auf gefährliche Verläufe oder ernsthafte Erkrankungen liefern. Eine Bildgebung wie Röntgen, MRT oder CT ist bei Rückenschmerzen deshalb nicht automatisch erforderlich. Erst bei zunehmenden, anhaltenden oder sich verschlechternden Beschwerden sowie bei neurologischen Auffälligkeiten wird eine weiterführende Diagnostik empfohlen.

Differenzialdiagnosen zur Abgrenzung vom unspezifischen Rückenschmerz

Für die Abgrenzung zum unspezifischen Rückenschmerz sind folgende Krankheitsbilder abzuklären beziehungsweise auszuschließen:

  • Entzündliche rheumatische Erkrankungen
  • Frakturen, beispielsweise bedingt durch Osteoporose
  • Infektionen
  • Tumore und Metastasen
  • Radikulopathien: Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln im Bereich der Wirbelsäule
  • Neuropathien: Erkrankungen des peripheren Nervensystems (außerhalb von Gehirn und Rückenmark), bei denen Nerven geschädigt oder gestört sind

Kann man Rückenschmerzen vorbeugen?

Regelmäßige Bewegung ist der wichtigste Schutzfaktor. Sie wird zur Vermeidung oder Verkürzung von Kreuzschmerzepisoden und Arbeitsunfähigkeit empfohlen. Dauerhafte Schonung ist dagegen nicht sinnvoll. Ein ergonomischer Arbeitsplatz, häufige Haltungswechsel, korrektes Heben sowie Gewichtskontrolle tragen ebenfalls zur Vorbeugung bei. Darüber hinaus ist die Aufklärung von Betroffenen hinsichtlich eines gesunden Lebensstils von Vorteil.

Symptome und Anzeichen von Rückenschmerzen

Die Schmerzen sind sehr intensiv, Patient:innen können sich anfangs kaum noch bewegen und verfallen aufgrund der schmerzbedingten Bewegungseinschränkung in eine Schonhaltung. Die Rückenschmerzen können auch ausstrahlen. Bei einer Schmerzausstrahlung in die untere Extremität spricht man von einer Ischialgie oder Lumboischialgie.

Rückenschmerzen können dumpf, ziehend oder stechend sein und sich bei Bewegung verstärken. Typisch sind Muskelverspannungen, eingeschränkte Beweglichkeit und Schmerzen beim Aufrichten.

Hinweis: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Kraftverlust in den Beinen sollten ärztlich abgeklärt werden!

Wie werden Rückenschmerzen behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Dauer und Intensität der Beschwerden.

Die therapeutische Basis bei unspezifischen Rückenschmerzen bildet immer regelmäßige körperliche Aktivität.

Kurzfristig können Wärme und Schonung lindernd wirken, langfristig ist regelmäßige Bewegung entscheidend für die Genesung. Eine symptomatische, medikamentöse Schmerztherapie kann unterstützend eingesetzt werden, sollte jedoch aufgrund des Nebenwirkungspotenzials möglichst nur kurzzeitig angewendet werden. Ergänzend zu den konkreten therapeutischen Maßnahmen sind die Beratung und Information der Patient:innen sehr wichtig.

In den meisten Fällen sind konservative Maßnahmen ausreichend:

  • Rückenschule und Physiotherapie
  • Manuelle Deblockierung durch Orthopäd:innen oder Physiotherapeut:innen
  • Lokale Schmerzmittel (beispielsweise Diclofenac)
  • Injektionen mit Lokalanästhetika oder entzündungshemmenden Substanzen
  • Bei Bedarf Analgetika oder Muskelrelaxanzien

Welche Ärzt:innen behandeln Rückenschmerzen?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Je nach Befund folgen Überweisungen zu orthopädischen, unfallchirurgischen oder neurologischen Praxen.

Warum regelmäßige Bewegung und Übungen so wichtig sind

Gezielte Übungen für Rücken- und Bauchmuskulatur kräftigen die stabilisierende Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit und reduzieren das Risiko für erneute Beschwerden. Regelmäßige Übungen helfen, Fehlhaltungen zu korrigieren und fördern ein aktives, rückengesundes Verhalten im Alltag.

Zu den Übungen

Welche medizinischen Hilfsmittel können helfen?

Medizinische Hilfsmittel wie Rückenorthesen können den unteren Rücken stabilisieren, Schmerzen lindern und eine aufrechte Haltung unterstützen. Wärmetherapieprodukte fördern die Durchblutung und entspannen die Muskulatur. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie – ersetzen jedoch keine Bewegung.

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Quellen:

Von der Lippe E et al. Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring, 2021, 6(S3); DOI 10.25646/7854.

2 Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017. Online veröffentlicht unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-007 (Letzter Zugriff 31.01.2026).