Schmerzen im unteren Rücken: Was ist das ISG-Syndrom?
Das Iliosakralgelenk – kurz ISG – wird auch Kreuzbein-Darmbein-Gelenk oder Sakroiliakalgelenk, genannt. Genau genommen sind es zwei Gelenke – ein linkes und ein rechtes, die jeweils das Kreuzbein mit den Beckenschaufeln verbinden. Diese Gelenke übertragen das Gewicht des Oberkörpers auf die Beine, sorgen für Stoßdämpfung und unterstützen die Bewegung. Kommt es zu Schmerzen, sprechen Fachleute vom Iliosakralgelenk-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, die sich in der Regel durch einseitige Schmerzen im unteren Rücken äußert. Zu den häufigen Ursachen für ein ISG-Syndrom zählen unter anderem das die Iliosakralgelenk-Blockade, eine ISG-Arthrose sowie Instabilitäten im Beckenring.
Ab dem 55. Lebensjahr sind die Facettengelenke die häufigste Ursache für Rückenschmerzen, gefolgt vom ISG, weil degenerative Veränderungen und Arthrosen im Laufe des Lebens zunehmen. In der Literatur finden sich für das ISG als Schmerzursache Häufigkeiten zwischen 10 und 30 Prozent.1
Was ist eine Iliosakralgelenk-Blockade?
Eine ISG-Blockade ist eine vorübergehende, meist einseitige Funktionsstörung im Iliosakralgelenk, bei der sich die Gelenkflächen zwischen Kreuzbein und Becken verkanten und die umgebende Muskulatur verkrampft. Dadurch entstehen meist einseitige Schmerzen unterhalb der Wirbelsäule, die über das Gesäß bis in den Oberschenkel ausstrahlen können.
Ursachen und Risikofaktoren für ISG-Schmerzen
Iliosakralgelenk-Beschwerden können verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise Funktionsstörungen wie eine ISG-Blockade – ausgelöst durch Fehlbelastungen, ruckartige Bewegungen oder ungünstige Haltung.
Auch muskuläre Verkürzungen, beispielsweise im Hüftbeuger (Iliopsoas-Muskel), können die Gelenkmechanik stören. Zudem können Arthrose, eine Entzündung im Iliosakralgelenk oder Knochenbrüche infolge eines Unfalls oder einer Osteoporose mögliche Auslöser sein.
Außerdem:
- Fehlstellungen der Wirbelsäule wie Skoliose oder eine Beinlängendifferenz führen ebenfalls zu einer ungleichen Belastung. In der Folge kippt das Becken einseitig leicht nach vorn, was das Iliosakralgelenk übermäßig beansprucht.
- Während der Schwangerschaft wirken hormonelle Veränderungen auf die Bänder des Beckens – sie werden weicher, um die Geburt vorzubereiten. Dadurch kann das ISG instabil werden und Schmerzen verursachen. Auch im Bereich der Schambeinfuge kann es zu Schmerzen kommen (Symphysenschmerzen).
Symptome des Iliosakralgelenk-Syndroms
Patient:innen berichten über plötzlich oder langsam eintretende, meist einseitige Schmerzen über dem betroffenen Gelenk. Meist treten die Schmerzen bewegungsabhängig auf. Typischerweise verschlimmern sich die Schmerzen beim Aufstehen aus dem Sitzen. Sie können auch bis in den Oberschenkel und den äußeren Unterschenkel ausstrahlen.
Weitere Symptome:
- Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Aufstehen, Bücken, Strecken oder Drehen des Oberkörpers
- Verstärkung der Schmerzen: langes Sitzen, Stehen, Treppensteigen, Sport, oder das Auswärtsdrehen des Beins
- Blockadegefühl oder Instabilität im Beckenbereich
Diagnose: Wie wird ein ISG-Syndrom festgestellt?
Die Diagnose stellen Ärzt:innen durch eine körperliche Untersuchung und gezielte Funktionstests. Dabei wird geprüft, ob die Schmerzen durch Druck auf das Gelenk, bestimmte Bewegungen oder das Anheben der Beine ausgelöst werden. Möglicherweise liegt eine ISG-Blockade vor. Bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgen kommen meist nicht zum Einsatz, können aber helfen, andere Ursachen wie Bandscheibenvorfälle oder Hüftprobleme auszuschließen.
Therapie und Behandlungsmöglichkeiten bei Iliosakralgelenk-Syndrom und ISG-Blockade
In den meisten Fällen werden ISG-Beschwerden konservativ, also ohne Operation, behandelt. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und das Gelenk zu stabilisieren. Bewegung ist ein wichtiger Baustein in der Therapie – Betroffene sollen sich möglichst viel bewegen, auch wenn sie Beschwerden haben.
Wärmebehandlungen – etwa durch Wärmflaschen, Heizkissen oder warme Bäder – entspannen die Muskulatur und können akute Schmerzen lindern. Ergänzend können entzündungshemmende Salben aufgetragen werden, um die Durchblutung zu fördern und die Heilung zu unterstützen.
Auch entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac können nach ärztlicher Rücksprache genommen werden.
In manchen Fällen kann ein örtliches Betäubungsmittel mit Kortison in das Gelenk injiziert werden, um die Reizung zu beruhigen. Diese Methode wird jedoch nur bei starken und langanhaltenden Beschwerden angewendet. Tritt nach spätestens sechs Wochen keine Besserung ein, kann ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden.
Eine ISG-Blockade kann sich spontan oder durch gezielte Bewegung lösen. Gezielte Übungen können dabei unterstützen.
Übungen bei Iliosakralgelenk-Syndrom
Gezielte Übungen fördern die Stabilität und Beweglichkeit des Beckens. Sie kräftigen die Rumpfmuskulatur, verbessern die Körperhaltung und reduzieren die Belastung auf das Iliosakralgelenk.
Welche:r Ärzt:in behandelt das Iliosakralgelenk-Syndrom?
Beim Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) ist die hausärztliche Praxis meist die erste Anlaufstelle. Ziel: die Beschwerden prüfen, andere Ursachen ausschließen und bei Bedarf eine Überweisung an Fachärzt:innen für Orthopädie.
Produkte von medi: Medizinische Hilfsmittel bei ISG-Beschwerden
Zur Unterstützung der Therapie kommen häufig Rückenorthesen zum Einsatz. Sie stabilisieren den Beckenring, fördern die Heilung und entlasten die gereizten Gelenkstrukturen.
In der Behandlung des Iliosakralgelenk-Syndroms hat sich bereits die Orthese Lumbamed sacro bewährt. Sie stabilisiert durch Kompression das Becken und die Iliosakralgelenke. Zwei individuell positionierbare Massagepelotten können gezielt auf Schmerzpunkte wirken, die Durchblutung fördern und den Heilungsprozess unterstützen.
Highlights
Produkt-Tipp
Hinweise und Quellen
* Orthese zur Stabilisierung des Beckens.
1 Klessinger S, Wiechert K. Deutsche Wirbelsäulengesellschaft. S3-Leitlinie Radiofrequenz-Denervation der Facettengelenke und des ISG. Version 01, 2023. Online veröffentlicht unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/151-004 (Letzter Zugriff 26.08.2025).
Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er medizinische Hilfsmittel (z. B. von medi) verordnen. Im medizinischen Fachhandel wird der Patient von geschultem Personal vermessen und erhält sein medizinisches Hilfsmittel für seine individuellen Bedürfnisse.
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