Postthrombotisches Syndrom (PTS)

Manchmal kommt es nach einer ausgeheilten Thrombose in der betroffenen Region erneut zu Auffälligkeiten. Dann könnte es sich um das sogenannte „postthrombotische Syndrom“ (PTS) handeln. Unter diesem Begriff werden eine Reihe von Beschwerden zusammengefasst.

Postthrombotisches Syndrom (PTS)

Was ist ein postthrombotisches Syndrom?

Das postthrombotische Syndrom ist eine chronische Blutrückfluss-Stauung, bei der das Venensystem nicht mehr richtig funktioniert. Erste Anzeichen können Wochen, Monate oder sogar erst Jahre nach einer überstandenen tiefen Venenthrombose (TVT), zum Beispiel einer Beinvenenthrombose, auftreten.

Weder der Verlauf eines PTS noch die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, lassen sich vorhersagen. Aber es gibt Risikofaktoren, die die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms (PTS) begünstigen. Die Schweregrade des PTS werden in vier Stadien eingeteilt (Hach 1994), deren Spektrum sich von der Schwellungsneigung ohne Verhärtung des Gewebes (Stadium I)  bis zu ausgedehnten Geschwüren (Stadium IV) erstreckt.

Die Schweregrade des PTS werden in vier Stadien eingeteilt (Hach 1994), deren Spektrum sich von der Schwellungsneigung ohne Verhärtung des Gewebes (Stadium I)  bis zu ausgedehnten Geschwüren (Stadium IV) erstreckt.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein PTS?

Wurden die Venenwände und / oder Venenklappen durch eine tiefe Beinvenenthrombose geschädigt, kann es zu Vernarbungen gekommen sein. Diese können begünstigen, dass sich das Blut dauerhaft staut und das Gewebe verhärtet. Die Venen können zum Beispiel durch körpereigene Abwehrzellen und andere Stoffe während einer akuten Thrombose in Mitleidenschaft gezogen werden. Staut sich das Blut in einer Vene, schließen die Klappen nicht mehr richtig und es kann der Druck in den umliegenden Gefäßen steigen. Aufgrund des gestauten Blutes kann über die Kapillaren (feinste Gefäße) Flüssigkeit ins Gewebe austreten. Ist die Sauerstoffversorgung durch die Schwellung behindert, sind Wundheilungsstörungen bei Verletzungen wahrscheinlich – bis hin zu chronischen Geschwüren.

Risikofaktoren für das PTS

Risikofaktoren für das postthrombotische Syndrom bestehen grundsätzlich bei älteren Menschen, Rauchern, Übergewichtigen und Menschen mit venösen (Vor-)Erkrankungen, beispielsweise Krampfadern.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • bereits überstandene oder wiederkehrende Thrombosen
  • Operationen und Medikamente
  • unzureichende Behandlung einer Thrombose mit Gerinnungshemmern

Anzeichen und Symptome bei postthrombotischem Syndrom

Schweregefühl im Bein als mögliches Anzeichen für ein postthrombotisches Syndrom

Anzeichen und Symptome des PTS sind abhängig vom jeweiligen Stadium. Dabei spielen auch die arterielle Durchblutungssituation und die Funktion des Sprunggelenks entscheidende Rollen: Ist das Sprunggelenk in seiner Bewegung eingeschränkt, fällt die venenaktivierende Wadenmuskelpumpe aus. Kribbeln, Jucken, Taubheitsgefühle, Krämpfe und Krampfadern können Anzeichen der Symptome für ein postthrombotisches Syndrom sein.

Typische Symptome sind:

  • Schweregefühl im Bein
  • Müdigkeit
  • Schwellung an Knöchel und Unterschenkel (Ödem, dickes Bein)
  • Schmerzen im Unterschenkel
  • Bewegungseinschränkungen 
  • braun-rötliche Hautverfärbungen / Pigmentierungen
  • Hautausschlag
  • im weiteren Verlauf: trophische Störungen der Haut (Trockenheit, Schuppen, helle Stellen, dünne Haut)
  • chronische Wundheilungsstörung (Ulcus cruris venosum, offenes Bein)

Vorbeugen: Kann man ein postthrombotisches Syndrom verhindern?

  • Gerinnungshemmende Medikamente werden nicht nur in der Thrombosetherapie eingesetzt, sondern auch zur Vorbeugung weiterer Thrombosen sowie des postthrombotischen Syndroms. Nach einer überstandenen Thrombose erfolgt für einige Monate die Therapie mit Blutverdünnern, bei bestimmten Risikofaktoren gegebenenfalls auch länger. Dabei überprüft der behandelnde Arzt die Gerinnungswerte regelmäßig.
     
  • Medizinische Kompressionsstrümpfe entlasten die Venen mit mechanischem Druck. Die Fließgeschwindigkeit des Blutes erhöht sich, die Venenklappen schließen wieder und die gesamte betroffene Region wird entlastet. Diese Funktionalität können sich Patienten mit PTS in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt ebenfalls zunutze machen. Venenpatienten sollten ihre medizinischen Kompressionsstrümpfe täglich tragen.

Möglichkeiten der Behandlung eines postthrombotischen Syndroms

Je nach Ausprägung können Behandlung und Heilung des PTS eine Herausforderung sein. Basistherapie ist die Kompressionstherapie, zum Beispiel mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. Die Therapie mit Arzneimitteln unterstützt die Behandlung, ist aber kein Ersatz für die Kompressionstherapie.

Mehr zur Kompressionstherapie

Weitere Therapiemaßnahmen bei PTS

Die Behandlung des PTS liegt in den Händen von Spezialisten wie Angiologen (Gefäßmedizinern), Phlebologen (Spezialisten für Venenerkrankungen) oder Gefäßchirurgen. Besteht ein PTS mit offenem Bein bietet sich die umfassende Versorgung durch ein Gefäßzentrum und Wundmanagement an.

Jeder Patient, der an einem postthrombotischen Syndrom leidet, kann proaktiv etwas dafür tun, um seine Situation zu verbessern:
 

  • Vermeiden Sie Risikofaktoren, achten Sie beispielsweise auf eine gesunde Ernährung, reduzieren Sie Übergewicht oder verzichten Sie auf das Rauchen. 
  • Aktivieren Sie Ihre Wadenmuskelpumpe durch Entstauungsgymnastik und Bewegung, zum Beispiel: Venengymnastik, Treppensteigen, Spazieren gehen, Fahrradfahren. Besonders zu empfehlen sind kalte Wasseranwendungen (beispielsweise Kneipp-Becken) und Wassergymnastik. 
  • Pflegen Sie Ihre Haut: Schützen Sie Ihre Haut vor dem Austrocknen sowie vor Verletzungen und Entzündungen und lindern Sie Juckreiz.  
  • Sorgen Sie stets dafür, dass Sie den Blutfluss in Ihren Beinen nicht unterbrechen: Schlagen Sie beim Sitzen die Beine nicht übereinander und bleiben Sie – zum Beispiel bei Gartenarbeit – nur kurz in Hockstellung oder kniend, vermeiden Sie außerdem zu enge Hosen.

Produkte von medi bei postthrombotischem Syndrom

Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er medizinische Kompressionsstrümpfe verordnen. Im medizinischen Fachhandel wird der Patient von geschultem Personal vermessen. Der Patient erhält anschließend medizinische Kompressionsstrümpfe für seine individuellen Bedürfnisse.

Hier geht's zur unabhängigen Arztsuche der Stiftung Gesundheit.