Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, die vor allem bei Jugendlichen auftritt und zu einer verstärkten Krümmung der Brustwirbelsäule führt. Verschaffen Sie sich einen Überblick zu den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.

Jugendlicher sitzt am Schreibtisch

Was ist Morbus Scheuermann?

Morbus Scheuermann, auch Scheuermann-Krankheit oder juvenile Kyphose genannt, ist eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule. Sie tritt meist bei Jugendlichen im Alter von 9 bis 18 Jahren auf und führt vor allem im Bereich der Brustwirbelsäule zu einer keilförmigen Verformung der Wirbelkörper. Dies hat eine verstärkte Kyphose im Brustbereich zur Folge, das heißt eine verstärkte Krümmung der Wirbelsäule. Im Erwachsenenalter kann dies zu chronischen Rückenschmerzen, Rundrücken und eingeschränkter Beweglichkeit sowie zu einer Osteochondrose führen.

Ursachen, Entstehung und Risikofaktoren der Scheuermann-Krankheit

Die genaue Ursache des Morbus Scheuermann ist noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet eine Kombination aus genetischen und mechanischen Faktoren. Einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Morbus Scheuermann zu erkranken, sind: 

  • (Schnelles) Wachstum: Die Krankheit entwickelt sich meist während der Pubertät, wenn das Knochenwachstum besonders schnell voranschreitet. Durch die Wachstumsbelastung können sich die anfälligen Wirbelkörper leichter verformen. 
  • Falsche Körperhaltung: Beispielsweise kann häufiges Sitzen in gekrümmter Haltung den Druck auf den vorderen Teil der Wirbelkörper erhöhen. Langfristig kann dies zu einer Keilform der Wirbel führen. 
  • Bewegungsmangel: Ein inaktiver Lebensstil und eine schwache Rückenmuskulatur können das Risiko für Morbus Scheuermann ebenfalls erhöhen, da die Wirbelsäule weniger gut gestützt und stabilisiert wird. 
  • Berufliche oder sportliche Belastung: Sportarten oder Tätigkeiten, die die Wirbelsäule stark belasten, können das Risiko ebenfalls erhöhen. 
  • Verletzungen der Wirbelsäule: Wiederkehrende Mikroverletzungen oder Überlastungen der Wirbelsäule, wie sie bei intensivem Sport oder schwerer körperlicher Arbeit auftreten können, gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

Kann man der Scheuermann-Krankheit vorbeugen?

Eine spezifische Prävention bei Morbus Scheuermann ist nicht bekannt, aber eine gute Körperhaltung und regelmäßige Rückengymnastik können das Risiko einer Wirbelsäulenverkrümmung verringern. Frühzeitige physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren und eine übermäßige Krümmung zu vermeiden.

Symptome und Anzeichen der Scheuermann-Krankheit

Morbus Scheurmann beginnt zunächst ohne Schmerzen. Die Erkrankung äußert sich sichtbar durch einen Rundrücken im Bereich der Brustwirbelsäule. In der Region der Lendenwirbelsäule kommt es vermehrt zu einer Abflachung der Wirbelsäulenform. Im weiteren Verlauf treten Rückenschmerzen auf, die sich bei Belastung verstärken und im Ruhezustand nachlassen. Dadurch können sich auch Bewegungseinschränkungen im Alltag ergeben. Nach Abschluss der Wachstumsphase gehen die Schmerzen zurück und es können im Erwachsenenalter Verspannungen auftreten.  

Was tun bei Morbus Scheuermann?

Zur Diagnose von Morbus Scheuermann wird ein Röntgenbild angefertigt, eine ärztliche körperliche Untersuchung durchgeführt und die Krankengeschichte nachvollzogen (Anamnese).

Therapie bei Morbus Scheuermann

Die Prognose bei Mobus Scheuermann ist prinzipiell sehr gut. Die Erkrankung muss nicht zwingend Schmerzen verursachen und der Verlauf lässt sich positiv beeinflussen.   

Die Wahl der Therapie ist abhängig von der Ausprägung des Rundrückens. Im Mittelpunkt der Therapie steht dabei die Physiotherapie, um die Rückenmuskulatur zu stärken und die Haltung zu verbessern. Bei starken Verkrümmungen können ein Korsett beziehungsweise spezielle Rückenorthesen verordnet werden, um die Wirbelsäule aufzurichten und in ihrer physiologischen Position zu stabilisieren. In seltenen Fällen, also bei ausgeprägter Fehlstellung, kann eine operative Korrektur notwendig werden.  

Zuträglich wirkt sich außerdem eine Anpassung des Lebensstils aus: Stauchungen der Wirbelsäule, beispielsweise beim Sport, sollten vermieden werden. Darüber hinaus sollten Scheuermann Patient:innen nicht länger in Rundrückenhaltung bleiben und darauf achten, eine möglichst aufrechte Sitzhaltung einzunehmen. 

Spätfolgen bei Morbus Scheuermann

Morbus Scheuermann kann langfristig zu Spätfolgen führen, die auch die Arbeitsfähigkeit und die Lebensqualität beeinträchtigen: Dazu gehören chronische Rückenschmerzen vor allem in sitzenden Berufen oder bei Tätigkeiten, die körperlich anspruchsvoll sind. Morbus Scheuermann führt außerdem häufig zu einer ungleichmäßigen Belastung der Wirbelsäule. Dies erhöht das Risiko von Bandscheibenvorfällen und degenerativen Veränderungen in diesem Bereich. Wenn zudem Nerven eingeengt werden, kann ein solcher Verschleißprozess zu starken Schmerzen und neurologischen Problemen wie Taubheit oder Kribbeln führen. Weitere mögliche Spätfolgen von Morbus Scheuermann: 

  • Zunehmende Kyphose, abnehmendes Lungenvolumen: Eine zunehmende Rundrückenbildung (Hyperkyphose) kann langfristig auch die Atmung beeinträchtigen. Dies führt nicht nur zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung und einem schnelleren Erschöpfungsgefühl, sondern auch zu psychischen Belastungen. 
  • Osteochondrose: Morbus Scheuermann begünstigt durch die veränderte Wirbelsäulenstruktur eine frühzeitige Überlastung der Bandscheiben und Wirbelkörper. Diese Überlastung kann die Entstehung von Osteochondrose begünstigen. Dann verliert das Bandscheibengewebe an Höhe und Elastizität. Dies führt zu einer Überlastung der Wirbelkörper und einer Reaktion des Knochens, die oft mit knöchernen Anbauten (Osteophyten) und Verdichtung des Knochens einhergeht.  
  • Frühzeitige Arthrose: Durch die dauerhafte Fehlstellung und einseitige Belastung kann sich  bei Betroffenen frühzeitig eine Arthrose entwickeln. Die Arthrose kann zu schmerzhaften Entzündungen führen. Wenn die Beweglichkeit beeinträchtigt ist, kann dies wiederum die Arbeitsfähigkeit einschränken. 

Welche:r Ärzt:in behandelt die Scheuermann-Krankheit?

Die Scheuermann-Krankheit wird in der Regel in orthopädischen Praxen diagnostiziert und behandelt. Orthopäd:innen sind auf Erkrankungen des Bewegungsapparates spezialisiert und können eine gezielte Therapie einleiten. Bei Bedarf werden weitere Fachärzt:innen und Physiotherapeut:innen oder in schweren Fällen Wirbelsäulenchirurg:innen hinzugezogen. 

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Spinomed Rückenorthesen können eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Therapiebausteinen sein. Durch das Biofeedback-Prinzip werden die Patient:innen daran erinnert, eine aufrechtere Körperhaltung einzunehmen. Dies kann zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.