Offenes Bein (Ulcus cruris venosum)

Medizinisch: Ulcus cruris, Unterschenkel-Geschwür

Offenes Bein (Ulcus cruris venosum)

Wenn Wunden nicht heilen

Als offenes Bein werden schlecht oder gar nicht heilende Wunden am Unterschenkel bezeichnet.

1,2 Millionen Menschen in Deutschland haben ein venöses Beingeschwür.1 Zu 70 Prozent sind Frauen betroffen. Das Ulcus cruris venosum tritt mit zunehmendem Lebensalter häufiger auf. Was mit schweren, müden Beinen beginnt, kann zu einem Ulcus cruris führen. Der Terminus leitet sich aus dem lateinischen ulcus (= Geschwür) und (cruris = des Unterschenkels) ab. Die Erkrankung wird umgangssprachlich auch als „offenes Bein“ bezeichnet und ist keine Seltenheit. Gemäß einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) ist davon auszugehen, dass von den über zwei Millionen Deutschen mit einer relevanten Venenschwäche bei acht Prozent ein offenes Bein aufgetreten ist. Ab dem 80. Lebensjahr steigt die Häufigkeit auf etwa ein bis über drei Prozent an.2

Einem Ulcus cruris liegen häufig mehrfache Erkrankungen zugrunde, die bei der Untersuchung und der Diagnose differenziert werden. Fast immer sind unbehandelte Durchblutungsstörungen die Ursache von offenen Beinen. Je nachdem, wo diese auftreten, unterscheiden Mediziner verschiedene Formen von Ulcera:

  • Ulcus cruris venosum: schwerste Form der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI - Stadium III° nach Widmer)
  • Ulcus cruris arteriosum: durch Arteriosklerose / Arterienverkalkung
  • Ulcus cruris mixtum mit venösen und arteriellen Ursachen
  • Ulcus cruris postthromboticum: durch Blutgerinnsel in den tiefen Bein- und Beckenvenen, Postthrombotisches Syndrom
  • Ulcus cruris traumaticum: unfallbedingt
  • Ulcus cruris neoplasticum: durch Krebsgeschwür
  • Ulcus cruris varicosum: durch Krampfadern
  • Ulcus cruris infectiosum: durch eine Infektion

Die häufigste Ursache von nicht spontan abheilenden Wunden ist das Ulcus cruris venosum als schwerste Form der chronisch-venösen Insuffizienz.3 Etwa 80 Prozent gelten als venös bedingt und etwa 10 Prozent sind auf arterielle Durchblutungsstörungen zurückzuführen.4 Rauchen ist ein häufiger Grund. Auch Diabetes begünstigt die Entstehung eines Ulcus.

Wie entsteht ein offenes Bein?

Chronische, offene Wunden an den Beinen bilden sich über einen langen Zeitraum und als Folge meist mehrerer Grunderkrankungen. Erste Anzeichen können schwere Beine und Schwellungen sein. Mit der Zeit entwickelt sich eine spürbare Verhärtung der Haut und des Unterhautfettgewebes. Dies ist ein Zeichen dafür, dass bereits bleibende Gewebeschäden entstanden sind.

Ein weiterer sichtbarer Hinweis ist eine verstärkte Pigmentierung der Haut, die sich als braune Flecken zeigt. Typische spinngewebsartige Gefäßzeichnungen am inneren Fußrand sowie am Innenknöchel sprechen für eine länger bestehende, fortgeschrittene Erkrankung. Daraus können sich dann schlecht heilende und sehr schmerzhafte Wunden entwickeln, die vor allem am unteren Bereich des Unterschenkels sowie am oberen Sprunggelenk auftreten.

Ein Ulcus cruris venosum hat in den meisten Fällen eine große Ausdehnung und kann die Beine auch gänzlich umfassen. Die Wunden sind tief und durchdringen mehrere Hautschichten. Dabei reicht der Verlust von Gewebesubstanz manchmal sogar bis auf die Knochen. Die Wunde ist gekennzeichnet durch Schwellungen, Spannungsgefühl, Juckreiz und Nässe („Mazeration“), die die umgebende Haut aufweicht. Entzündungen und bakterielle Infektionen tragen dann zur Geruchsbildung bei.

Durch die chronische Venenschwäche (medizinisch: chronisch-venöse Insuffizienz) sind die Venen nicht mehr in der Lage, das Blut zügig aus den Beinen zum Herzen zu transportieren. Das Blut staut sich und weitet die Venen. Der Rückstau schädigt schließlich die kleinsten Blutgefäße, die sogenannten Kapillaren. Sie versorgen die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen und transportieren Abbauprodukte des Stoffwechsels ab. Diese Aufgaben können die geschädigten Kapillaren nicht mehr ausreichend erfüllen. Zunächst wird die Haut in den betroffenen Bereichen empfindlich, verliert ihre Elastizität und wird hart. Schließlich stirbt die Haut ab und aus einer minimalen, kaum spürbaren Verletzung entsteht eine offene, nässende Wunde.

Die offene Wunde ist sehr schmerzhaft. Keime, die sich in der Wunde und deren Umgebung ansiedeln, verursachen unangenehme Gerüche. Häufig trauen sich die Betroffenen dadurch nicht mehr unter Menschen. Wegen der Schmerzen nehmen die Patienten eine Schonhaltung ein. Das Bein wird kaum noch bewegt. Damit ist der Pumpmechanismus ausgeschaltet, der das Blut in Richtung Herzen bewegt. Ein Teufelskreis entsteht.

Heilungsprognose

Das Krankheitsbild gilt oft als therapieresistent. Obwohl die leitliniengerechte Versorgung die Kompressionsbehandlung vorsieht, sind dennoch 83 Prozent der Betroffenen während der floriden Wundphase nicht mit einer Kompressionsversorgung ausgestattet5.

Das Ziel der Behandlung ist es, den gestörten Blutrückfluss mittels Kompressionstherapie zu verbessern. Die Wunde soll rasch verheilen und zusätzlichen Infektionen vorgebeugt werden. Dafür muss die Wunde regelmäßig gereinigt und luftdurchlässig versorgt werden.

Nach der Akutphase sollten weiterhin regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt und Maßnahmen zur Rezidivprophylaxe erfolgen, damit das offene Bein nicht wieder auftritt. Dazu zählt die Therapie mit medizinischen  Kompressionsstrümpfen (beispielsweise mediven von medi).

Die Behandlung eines Ulcus cruris dauert mehrere Wochen. Bei älteren Menschen ist die Regenerationsfähigkeit der Haut oft eingeschränkt. Der Kompressionsdruck auf die Wunde ist für viele Patienten schmerzhaft. Durch fehlerhafte Wickeltechnik oder rutschende Verbände können Druckstellen, Ödeme und Einschnürungen entstehen. Die Eigentherapie mit Salben und Tinkturen erweist sich als kontraproduktiv. Weil die Wunden brennen und schmerzen, ist oft an Schlaf nicht zu denken und auch die tägliche körperliche Hygiene wird zum Kraftakt. Wenn die Patienten sich dann wegen der Schmerzen nur noch wenig bewegen und nicht mehr auftreten, kann eine Versteifung des Sprunggelenks die Folge sein. Oft ist das Leben der Betroffenen mehr und mehr von der Krankheit bestimmt und es fällt immer schwerer, das soziale Umfeld zu pflegen.

Grundvoraussetzungen für die Wundtherapie

Eine effiziente Wundbehandlung chronischer Wunden basiert auf folgenden Grundprinzipien:

  • Wundreinigung
  • Therapie der Grunderkrankung
  • Rezidivprophylaxe

Phase 1 - Wundreinigung

Wundreinigung

Phase 1 der Behandlung des offenen Beines beinhaltet:

a) Wundreinigung

b) Wundversorgung

Reinigung der Wunde und Pflege der Wundumgebung. Als Folge der chronischen Venenschwäche im Bein ist die Wunde beim offenen Bein meist von verhärtetem Bindegewebe umgeben, das entfernt werden muss. Alternativ können Salben eingesetzt werden, die den Belag auflösen bzw. aufweichen und reinigen. Spezielle Vliesstoffe quellen in der feuchten Wunde auf und saugen sich mit Wundsekret voll. Bei bakteriell entzündeten Wunden kommen Verbände mit Silberpartikeln zum Einsatz, die die Wunde desinfizieren.

Die Kompressionstherapie ist Bestandteil der Wundversorgung, auch wenn viele glauben, dass sich Wundversorgung auf das Reinigen und Verbinden von Hautdefekten beschränkt.

Phase 2 - Therapie der Grunderkrankung

Wundbehandlung

In der zweiten Phase der Wundheilung füllt der Körper die Lücke in der Haut wieder aus. Um das Wachstum des Bindegewebes zu unterstützen, werden Plattenverbände (Hydrokolloid- und Hydropolymerverbände) aufgelegt, die die Bindegewebsproduktion anregen und die Wunde feucht halten.

Therapie der Grunderkrankung: Das bedeutet im Fall des Ulcus cruris venosum, dass das Venenleiden zu behandeln ist. Als Basistherapie kommen medizinische Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Lösungen, um einem Wiederauftreten der Erkrankungen effektiv vorzubeugen.

Die Wundbehandlung spielt neben Schmerztherapie und Kompression bei einem offenen Bein eine wichtige Rolle und sollte vom Arzt oder geschulten Pflegekräften durchgeführt werden. Auf keinen Fall sollte man selbst versuchen, mit Salben und Verbänden die Wunde zu behandeln. Offene Wunden müssen gereinigt, abgestorbenes Gewebe entfernt werden. Spezielle Verbände sorgen dafür, dass die Wunde nicht austrocknet und fördern den Heilungsprozess.

Phase 3 - Rezidivprophylaxe

Wundbehandlung Rezidivprophylaxe

In der dritten Phase der Wundheilung zieht sich die Wunde zusammen und Hautzellen wachsen vom Wundrand heran, um die Wunde zu schließen.

Da die Phasen 1 und 2 der Wundheilung bei chronischer Beinvenenschwäche stark gestört sind, erreichen die meisten offenen Beine die 3. Phase im Allgemeinen nicht ohne unterstützende Wundbehandlung.

Auch in dieser letzten Phase muss noch ein ausgewogenes Maß an Feuchtigkeit in der Wunde sein, und ein Festhaften des Verbandes auf der zarten jungen Haut muss vermieden werden. Zu diesem Zweck werden zumeist dünne Plattenverbände (Hydrokolloid- oder Hydropolymerverbände) eingesetzt.

Um diese Phase abzukürzen, kann eine optimal granulierende Wunde auch im Rahmen einer Operation (ggf. in örtlicher Betäubung) mit körpereigener dünner Haut bedeckt werden. Hierfür gibt es mehrere OP-Techniken, bei denen entweder kleine Hautinseln verpflanzt werden oder dünne Hautläppchen ggf. auch als Netz auf die Wunde aufgebracht werden.

Mit diesen Tipps gelingt die Wundpflege auch zu Hause

Die Kombination aus Wundreinigung und Kompressionstherapie verschafft in der Akutphase eines Ulcus cruris venosum Linderung und fördert den Heilungsprozess. Mit der richtigen Pflege unterstützt der Patient die Therapie auch zu Hause.

Wundbehandlung mit medi

Bei einem offenen Bein gibt es Hilfe. Vor diesem Hintergrund bietet medi das neue Konzept Wundtherapie-Konzept. Dieses verbindet die Akutphase mit der Rezidivprophylaxe. In der Akutphase steht die Wundreinigung mit dem UCS Debridement sowie die Ödementstauung mit der adaptiven Kompressionsversorgung circaid juxtacures im Vordergrund.

Sobald das Ödem entstaut ist, kommt das Kompressionsstrumpfsystem mediven ulcer kit zum Einsatz. Wenn die Wunde verheilt ist, folgt in der sogenannten Rezidivprophylaxe die Erhaltung des Therapieerfolgs. Diese dauerhafte Kompressionstherapie erfolgt mit mediven Rund- oder Flachstrick-Produkten.

Mit diesem Ansatz motiviert medi zur Therapie in der Akutbehandlung  und der Nachsorge, damit der Ulcus curis dauerhaft ausheilen kann. Wer in Bewegung bleibt, aktiviert die Muskelpumpen und sorgt so zusätzlich dafür, dass die Venen in Schwung bleiben – ein aktiver Therapiebeitrag, um einem wiederholten Entstehen vorzubeugen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Produkten von medi

Quellen

1 www.pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-standard-ulcus-cruris.htm, das Altenpflegemagazin im Internet.
2 S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie für die Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, 2008.
3 CVI - Stadium III° nach Widmer.
4 K. Protz u. a.: Moderne Wundversorgung. Urban & Fischer-Verlag, 2007, S. 40ff / K.-H. Altenkamper u. a.: Phlebologie für die Praxis. Walter de Gruyter, 2001, S. 127ff.
5 Sauer, K. et al. (2014): Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2014, S. 98

Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er Produkte zur Wundtherapie verordnen. Der Patient wird durch geschultes Personal (z.B. in Sanitätshaus, Apotheke, Wundzentrum) beraten. Im Anschluss erhält der Patient die auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten Produkte.

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