Lymphödem

Stau im Gewebe

Lymphödem: Stau im Gewebe

Das Lymphödem

Unser Lymphsystem ist an das Herz-Kreislauf-System angeschlossen und erfüllt wichtige Funktionen für den Organismus. Als Teil des Immunsystems spielt es eine entscheidende Rolle für unser Wohlbefinden. Sind wir gesund, gibt es kaum Gründe über das Lymphsystem nachzudenken. Es rückt erst in den Vordergrund, wenn es beeinträchtigt ist – zum Beispiel durch ein Lymphödem.

Wie entsteht ein Lymphödem?

Die Lymphgefäße sind wie eine Art Netz im gesamten Körper verteilt und transportieren zum Beispiel Stoffwechselprodukte. Staut sich diese Lymphflüssigkeit in den Armen oder Beinen, anstatt abzufließen liegt ein Lymphödem vor. Arme und Beine schwellen dann an (auch Ödem genannt).

Mit der richtigen Therapie und einer positiven Einstellung kann der Alltag weitgehend normal gestaltet werden. Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten, die Lymphödeme reduzieren und konstant halten. Auch mit einem Lymphödem können Sie Ihr Leben aktiv gestalten.

Das Lymphgefäßsystem – die "Stoffwechselautobahn" in unserem Körper

Das Lymphgefäßsystem trägt maßgeblich dazu bei, dass unser Körper jeden Tag „funktioniert“: Die Lymphgefäße sind wie eine Art Netz im gesamten Körper verteilt. Sie sammeln, transportieren und filtern die in der Gewebsflüssigkeit gelösten Stoffe. Das können zum Beispiel Bluteiweiße, Nahrungsfette, Stoffwechselprodukte oder Entzündungsprodukte sein. Wie eine „Sondermüllabfuhr“ entsorgt das Lymphsystem pro Tag bis zu vier Liter Lymphe aus dem Gewebe und unterstützt so unser Immunsystem.

Formen von Lymphödem

Es gibt zwei Arten von Lymphödemen:

Das primäre Lymphödem: Diese Art des Lymphödems ist angeboren. Die Ursachen liegen meist darin, dass Lymphbahnen oder Lymphknoten nicht richtig ausgebildet sind.

Das sekundäre Lymphödem: Diese Form des Lymphödems bezeichnet Ödeme, die erst im Laufe des Lebens auftreten und nicht angeboren sind. Ursachen können hier zum Beispiel Operationen, Infektionen oder Verletzungen sein.

Symptome und Anzeichen

Das sogenannte "Stemmer'sche Zeichen" ist ein zuverlässiges Merkmal, um ein Lymphödem zu erkennen.

Versuchen Sie, eine Hautfalte, zum Beispiel an der Zehe, anzuheben:

Positives Stemmer'sches Zeichen: Funktioniert dies nur schwer oder gar nicht, spricht man von einem "positiven Stemmer'schen Zeichen". Dies ist ein Anzeichen für ein Lymphödem. Außerdem weisen vertiefte natürliche Hautfalten an den Gelenken, Schwellungen an Fuß- und Handrücken sowie eine pralle Haut auf ein Lymphödem hin.

Negatives Stemmer'sches Zeichen: Sollte das Ergebnis negativ sein, so könnte dies auf ein Lipödem hinweisen.

Ein Arzt sollte in jedem Fall frühzeitig konsultiert werden. Er kann entsprechende Therapien empfehlen, die das Ödem reduzieren oder konstant halten. Je früher Sie eine Behandlung beginnen, desto wahrscheinlicher ist es, das Ödem in einem möglichst niedrigen Stadium zu belassen.

Lymphödem – ja oder nein?

Sie haben eine Schwellung am Körper und vermuten, an einem Lymphödem erkrankt zu sein?

Dann machen Sie bitte den folgenden Test. Das Ergebnis kann Ihnen erste Hinweise, geben, ob bei Ihnen ein Lymphödem vorliegt.

Dieser Test ersetzt keine fachliche Diagnose. Wenden Sie sich hierzu bitte an Ihren Hausarzt oder an einen Facharzt für Lymphologie.

Stadien von Lymphödemen

Lymphödem Stadium 0:

Die Lymphgefäße sind geschädigt, es sind aber noch keine Schwellungen zu erkennen.

Lymphödem Stadium 1:

Im Laufe des Tages treten Schwellungen auf, die sich bei Hochlagerung ganz oder zum Teil zurückbilden. Bei Druck auf das Gewebe bildet sich eine Delle, die für einige Zeit bestehen bleibt.

Lymphödem Stadium 2:

Die Schwellungen bleiben auch bei längeren Ruhepausen bestehen. Die Haut ist verhärtet und das Hochlegen der Arme oder Beine bringt keine Milderung. Dellen lassen sich nur schwer oder gar nicht eindrücken.

Lymphödem Stadium 3:

Es kommt zu Schwellungen mit Hautveränderungen (zum Beispiel in Form kleiner Bläschen, aus denen Lymphflüssigkeit austritt). Eine noch ausgeprägtere Form solcher Schwellungen wird als "Elephantiasis" bezeichnet.

Lymphödem nach Brustkrebsoperation

Mit über 70.000 jährlichen Neuerkrankungen ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.1 Durch das Entfernen axillärer Lymphknoten und einer adjuvanten Strahlentherapie sind durchschnittlich 20 bis 30 Prozent der Patientinnen von einem Brustkrebs assoziierten Lymphödem betroffen.2

Risikofaktoren

Während einer Chemotherapie werden häufig die Lymphknoten der Patienten bestrahlt oder entfernt. Dies beeinflusst das gesamte Lymphsystem und führt unter Umständen ebenfalls zu einem Ödem. Weitere Faktoren wie Alter oder Geschlecht können die Entstehung von Lymphödemen ebenfalls beeinflussen.

Die Ursachen für Lymphödeme sind vielfältig. In manchen Fällen entstehen Lymphödeme auch aus einer vorhergehenden Venenerkrankung. Häufig hat sich der Patient dann zu wenig bewegt.

Die gute Nachricht: Die moderne Lymphödem-Therapie hält effiziente Behandlungsmöglichkeiten bereit, die Schmerzen lindern und den Lymphpatienten zu mehr Mobilität und Lebensfreude verhelfen.

So halten Sie Ihr Lymphödem "in Schach"

Sie haben selbst ein Lymphödem? Im Alltag sorgen schon kleine Verhaltensänderungen für mehr Wohlbefinden.

  • Bequeme Kleidung: Tragen Sie möglichst oft bequeme Kleidung, die nicht einschnürt.
  • Hautpflege: Reinigen und pflegen Sie Ihre Haut sorgfältig und nur mit pH-neutralen Mitteln.
  • Gewicht: Sie haben einige Pfunde zu viel auf den Hüften? Versuchen Sie, Ihr Gewicht zu reduzieren.
  • Entstauung: Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse nach Gymnastik-Programmen, die entstauen.
  • Prophylaxe: Schützen Sie sich im Haushalt vor Nagel- und Hautverletzungen.
  • Stressvermeidung: Meiden Sie Stress und extreme Kälte, denn beides verengt die Gefäße.

Gefäßerweiternde Maßnahmen wie lange Sonnenbäder, Sauna-Besuche oder heiße Wannenbäder sind ebenfalls nicht empfehlenswert.

Außerdem wichtig: Während die eher sanfte Lymphdrainage einen positiven Effekt auf Ihr Lymphsystem hat, sollten Sie "knetende Massagen" vermeiden. Diese könnten das jeweilige Körperteil überanstrengen.

Und zu guter Letzt: Tragen Sie Kompressionsstrümpfe vor allem, wenn Sie sich bewegen (zum Beispiel beim Sport).

Leben mit Lymphödem - Aufklärung, Therapie, Lebensqualität

Ein Lymphödem verändert das Leben. Für die Betroffenen wird die chronische Krankheit zum ständigen Begleiter. Im Beruf und im Privatleben.

Erfahren Sie in unserem Video, wie man am besten mit diesem Krankheitsbild umgeht, welche Therapie geeignet ist und erhalten Sie praktische Tipps für den Alltag.

Wie kann ein Lymphödem therapiert werden?

Ein Lymphödem ist zwar eine chronische Erkrankung, doch mit der richtigen, dauerhaften Therapie erzielen Sie sehr gute Ergebnisse. Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) hat sich besonders bewährt.

Sie ist die wirksamste Methode zur Behandlung von Lymphödemen. Die Lymphgefäße werden durch die milden mechanischen Reize zur Mehrarbeit, das heißt zu einem besseren Abtransport der Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe, angeregt. Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie besteht aus zwei Phasen:

Phase 1 – Entstauungsphase

Ziel ist es, die entsprechenden Gliedmaßen zunächst zu entstauen und ihren Umfang zu reduzieren.

Dabei stehen Hautpflege und Hygiene im Vordergrund. Die betroffenen Stellen werden sorgfältig gereinigt und gepflegt. Hauterkrankungen, wie Hauteinrisse oder Fußpilz, werden gründlich behandelt, da eine Entzündung das Lymphsystem zusätzlich schädigen kann. Anschließend führt ein Therapeut ein- bis zweimal täglich eine manuelle Lymphdrainage am ganzen Körper durch, um den Abtransport der Flüssigkeit aus dem Gewebe zu fördern. Nach jeder Behandlung wird ein Kompressionsverband mit Bandagen angelegt. Ohne Bandagierung würde das Ödem nach circa zwei Stunden wieder anschwellen.

Wichtig im Rahmen der Entstauung: Bewegen Sie sich – am besten direkt nach der manuellen Lymphdrainage und mit der Bandagierung.

Außerdem ist in der Folge eine konsequente Hygiene und Pflege der Haut wichtig, dabei dürfen nur pH-neutrale Reinigungsmittel und Cremes verwendet werden.

Die erste Phase der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie dauert etwa drei bis sechs Wochen. Der individuelle Zeitraum ist abhängig vom Erfolg der Entstauung. Erst wenn keine weitere Verringerung des Umfanges an den betroffenen Körperregionen erreicht wird, beginnt die Erhaltungsphase.

Phase 2 – Erhaltungsphase

Die Erhaltungsphase der komplexen physikalischen Entstauungstherapie hat zum Ziel, die Erfolge aus der Entstauungsphase zu erhalten. Die vier Bestandteile sind die gleichen wie bei der Entstauung:

  • Hygiene
  • Lymphdrainage
  • Kompression
  • Bewegung

In diesem Behandlungsstadium sollte im Sommer zweimal wöchentlich, im Winter mindestens einmal wöchentlich, eine manuelle Lymphdrainage durchgeführt werden. Weiterhin wird die Kompressionstherapie durch Kompressionsstrümpfe, -armteile, -handteile oder -zehenkappen unterstützt.

Der Kompressionsverband wird gegen den Kompressionsstrumpf ausgetauscht. In der Regel kommen flachgestrickte Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Das sind Strümpfe mit Naht, die aus weniger elastischem und somit festerem Material bestehen als rundgestrickte Strümpfe. Rundgestrick-Produkte kommen eher bei Venenerkrankungen wie zum Beispiel Krampfadern zum Einsatz.

Die zusätzlichen Therapiemaßnahmen, besondere Hautpflege und Gymnastik, sind auch in dieser Phase wichtige Erfolgsfaktoren.

Lymphdrainage – "Massage zur Entstauung"

Die manuelle Lymphdrainage ist eine besondere Massageart, mit der die Transportkapazität des Lymphsystems gesteigert wird.

Dabei wird immer der gesamte Körper behandelt.

Die Massage beginnt an der Halspartie, wo die großen Lymphsammelgefäße in die Schlüsselbeinvenen münden. Dies regt den Lymphfluss in den großen Lymphgefäßen an und erleichtert den Abfluss aus den kleineren Gefäßen. Danach werden Rumpf und Extremitäten behandelt.

Essentiell in der Ödemtherapie: Konsequente Körperhygiene und Hauptpflege

Viele Lymphpatienten haben empfindliche Haut – die oberste Hautschicht ist oft mit Vitaminen, Mineralstoffen und Feuchtigkeit unterversorgt. Die Haut wird trocken, dünn und rissig. Sie kann ihre natürliche Barrierefunktion nicht mehr ausüben. Der beste Schutz vor Hautproblemen besteht aus einer konsequenten Körperhygiene und einer den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepassten Hautpflege. Hautpflege ist essentiell in der Ödemtherapie, um die Barrierefunktion der Haut zu erhalten und der Austrocknung sowie entzündlichen Erkrankungen vorzubeugen. Die Pflegeserie von medi ist auf die sensiblen Bedürfnisse von Lymphpatienten abgestimmt. medi Tipp: Schon kleinere Hautirritationen sollten im Rahmen der Ödemtherapie ernst genommen und gegebenenfalls einem Hautarzt gezeigt werden.

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Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe zur Erhaltung

Sanitätshaus
Im Sanitätshaus werden die Strümpfe ausgemessen

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe üben während der Erhaltung einen konstanten Druck auf Arm oder Bein aus. Sie legen sich dabei nicht in Hautfalten ein, was zu Einschnürungen führen könnte. Kompressionsstrümpfe sind auf Rezept im medizinischen Fachhandel erhältlich (z. B. Sanitätshaus) und werden je nach Umfang von Arm oder Bein nach Maß angefertigt.

Das Ausmessen erfolgt ebenfalls im Sanitätshaus. Wichtig ist es, dass Sie den Strumpf regelmäßig tragen. Nur dann bleibt das Ergebnis konstant und das Ödem bildet sich nicht weiter aus. Medikamente können die Ödemtherapie begleiten - Ihr Arzt entscheidet hier über die Notwendigkeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Lymphödem nicht gänzlich heilbar ist. Allerdings werden im Rahmen der komplexen physikalischen Entstauungstherapie sehr gute Ergebnisse erzielt. Kompressionsstrümpfe sind heutzutage in modischen Farben und Mustern erhältlich, so dass Sie diese gerne tragen werden.

Nehmen Sie Schwellungen an Ihren Armen oder Beinen ernst und fragen Sie Ihren Arzt. Achten Sie bei der Suche nach einem geeigneten Facharzt auf den Zusatz "Phlebologe" oder "Lymphologe". Diese sind auf Erkrankungen im venösen und lymphatischen System spezialisiert. Der Arzt wird Ihnen die möglichen Therapien (zum Beispiel Lymphdrainage oder Kompressionsstrümpfe) bei Notwendigkeit verordnen.

Produkte von medi

Hier finden Sie weitere Informationen zu Kompressionsstrümpfen für die Ödemtherapie von medi.

Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er medizinische Kompressionsstrümpfe verordnen. Im medizinischen Fachhandel wird der Patient von geschultem Personal vermessen. Der Patient erhält anschließend medizinische Kompressionsstrümpfe für seine individuellen Bedürfnisse.

Hier geht's zur unabhängigen Arztsuche der Stiftung Gesundheit.

1 www.krebsdaten.de
2 Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (2008): Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Germering, München: W. Zuckschwerdt Verlag.

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