Thrombose

Wenn sich ein Gerinnsel bildet

Vene Thrombose Anatomie

Definition von Thrombose

Der Bergriff "Thrombose" kommt aus dem Griechischen "thrombosis" und meint übersetzt "Blutgerinnung".

Als Thrombose wird eine intravasale (innerhalb der Blutgefäße) Blutgerinnung im lebenden Organismus bezeichnet. Sie führt hier zur Bildung eines Thrombus (Blutgerinnsel, Blutpfropf) und kann zum teilweisen oder kompletten Verschluss eines Gefäßes führen.

Thromben können sich sowohl in den Venen als auch in den Arterien bilden. Somit unterscheidet man sie nach dem Ort ihrer Entstehung:

  • arterielle Thrombosen
  • venöse Thrombosen

Venöse Thrombosen wiederum werden unterschieden in:

  • Thrombosen in oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis)
  • Thrombosen in tiefer liegenden Venen (Phlebothrombose)

Allgemeines

Neben dem Risiko nach einer Operation eine Thrombose zu erleiden, gibt es noch eine Vielzahl anderer Ursachen und Faktoren, welche die Thrombosebildung begünstigen.

Thrombose und Thromboseprophylaxe spielen im Klinikalltag schon immer eine gewichtige Rolle. Spätestens seit der öffentlich ausgetragenen Diskussion um die sogenannte Reisethrombose, ist das Thema auch außerhalb des Krankenhauses von großem Interesse.

  • 17 Millionen Menschen leiden an chronischen Venenerkrankungen.
  • Nur 10 Prozent der Bevölkerung sind "venengesund".
  • Rund 5 Mio. Bundesbürger leiden an einer sogenannten Venopathie (chronisch venösen Insuffizienz).

Ungefähr 1 Mio. Menschen, und die Zahlen steigen, sind von Spätkomplikationen chronischer Venenerkrankungen, wie dem Ulcus cruris venosum (offenes Bein, Unterschenkelgeschwür) betroffen. Sie werden deswegen pro Jahr 6-8 Wochen stationär oder ambulant behandelt und scheiden durchschnittlich 7 Jahre früher aus dem Erwerbsleben aus.

Abgesehen von dem nicht von der Hand zu weisenden persönlichen Leid der Betroffenen und der für sie resultierenden Einschränkungen, bezogen auf Lebensaktivitäten und individuelle Lebensqualität, sind die Belastungen für das gesamtwirtschaftliche System und die Solidargemeinschaft nicht zu unterschätzen:

  • Pro Jahr kommt es in Deutschland zu etwa 3.500 Frühberentungen.
  • Die Behandlungskosten betragen ca. 70.000 Euro pro Fall.

Ursachen

Warum bildet sich ein Gerinnsel? Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Thrombose.

Sie können drei Hauptursachen zugeordnet werden, die bereits 1852 von dem Berliner Pathologen Rudolf Virchow beschrieben und nach ihm als Virchow’sche Trias benannt werden.

  • Kreislauffaktor: Verlangsamte Blutströmung, z. B. durch Bettruhe, Gipsverband oder Schienenlagerung ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel oder auch eine bereits bestehende Venenerkrankung (chronisch venöse Insuffizienz).
  • Wandfaktor: Schädigung der Gefäßwand, z. B. im Rahmen einer Operation, Verletzung oder Entzündung, aber auch bei altersbedingter Veränderung der Beinvenen (z. B. Krampfadern).
  • Blutfaktor: erhöhte Neigung zur Blutgerinnung, z. B. wenn die Blutgerinnungsfaktoren vermehrt sind oder das normalerweise bestehende Gleichgewicht zwischen Gerinnung und Blutgerinnselauflösung durch bestimmte Medikamente gestört ist.

Ganz allgemein erhöht sich das Thromboserisiko mit zunehmendem Alter, bei zu hohem Körpergewicht, in der Schwangerschaft und im Wochenbett sowie bei Rauchern.

Risiken - Wann ist besondere Vorsicht geboten?

Thrombosefördernde Faktoren stellen in Verbindung mit einer genuinen (anlagebedingten) Disposition zur Veränderung der Venenwand mit ca. 90% die Hauptursache für eine Thrombose dar.

Das Alter des Menschen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Anzahl und Ausprägung von Venenerkrankungen steigen mit zunehmenden Alter.

Primär sind Frauen stärker gefährdet, an einer Thrombose zu erkranken, als Männer. Ihr Risiko ist 2,3 mal höher. Dafür sind u. a. die weiblichen Hormone verantwortlich.

Desweiteren konnte nachgewiesen werden, dass die häufige Kombination von Hormontherapie (z. B. Antibabypille) und Nikotinabusus (Nikotinabhängigkeit) das Thromboserisiko bei Frauen deutlich erhöht.

Epidemiologische Daten belegen, dass folgende Faktoren eine Thromboseentstehung begünstigen.

Gefäßinnenwandschaden (Endothelschaden)

  • chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
  • Krampfadern (Varikosis)
  • bereits durchgemachte Thrombosen
  • arterielle Durchblutungsstörungen (AVK)
  • Alter

Mangelhafte Blutzirkulation - verlangsamter venöser Rückfluss (Hypozirkulation)

  • einengende Kleidung
  • Wärmeanwendungen an den Beinen
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • Herzinsuffizienz
  • Herzinfarkt
  • längere Bettruhe und andere Formen mangelnder Bewegungsmöglichkeiten, z. B. Gips, Schienenlagerung, Lähmungen
  • lange sitzende oder stehende Berufstätigkeit
  • Flug- oder Autoreisen mit abgewinkelten Beinen: Die Gefahr, die hiervon ausgeht, darf nicht unterschätzt werden, vor allem dann nicht, wenn bereits Venenerkrankungen vorliegen bzw. durchgemacht wurden.

Veränderung der Blutzusammensetzung, erhöhte Blutgerinnungsneigung (Hyperkoagulabilität)

  • Antikonzeptiva (Antibabypille)
  • Wochenbett
  • Rauchen
  • bestimmte Medikamente wie Diuretika, Steroide
  • schwere Verletzungen, Knochenbrüche der unteren Extremitäten
  • maligne Erkrankungen (Krebserkrankungen)
  • schwere Entzündungen - Sepsis (Blutvergiftung)
  • operative Eingriffe

Auf der Basis aussagekräftiger Studien wurden von Konsensusgruppen in Europa drei Risikokategorien zur Einschätzung des individuellen Thromboserisikos definiert.

Es wird anhand definierter Kriterien in ein hohes, mittleres und niedriges Thromboserisiko unterschieden.

Außerdem wurde eine Differenzierung zwischen operativen und konservativen Therapiebereichen vorgenommen.

Hohes Risiko besteht bei:

  • größeren Operationen (über 60 Jahre)
  • großen Eingriffen (40 bis 60 Jahre, bei Malignom oder früherer Thromboembolie)
  • Frakturen oder größeren orthopädichen Eingriffen an Becken, Hüfte oder Bein Thrombophilie
  • Schlaganfall (über 70 Jahre)
  • kardialer Dekompensation
  • Schock
  • Thromboembolie in der Vorgeschichte

Mittleres Risiko besteht bei:

  • großen Eingriffen (40 bis 60 Jahre ohne weitere Risikofaktoren)
  • kleineren Eingriffen (über 60 Jahre)
  • kleiner Chirurgie (ab 40 Jahre bei früherer Thromboembolie oder Östrogentherapie) Immobilität
  • kardialer Insuffizienz

Niedriges Risiko besteht bei:

  • großer Chirurgie (bis 40 Jahre ohne Risikofaktoren)
  • kleiner Chirurgie, kleinen Traumen ohne Risikofaktoren (40 bis 60 Jahre)
  • leichten internistischen Erkrankungen


Derzeit ist kein einfaches, den Patienten nicht belastendes Screening-Verfahren verfügbar, um alle potentiell gefährdeten Patienten routinemäßig auf ihr individuelles Thrombose- bzw. Embolierisiko hin zu untersuchen. Es sollte aber in jedem Fall eine der Risikokategorie angepasste Thromboseprophylaxe durchgeführt werden. (Prof. Dr. med. Hugo Partsch, Wien, 1996)

Symptome - Bemerkt man eine Thrombose?

Die Bildung eines Thrombus bedeutet eine Verlegung der Venen, wodurch der Rücktransport des Blutes zum Herzen behindert wird.

Dies führt zu einem Rückstau des Blutes und daher zu Schwellung und Spannungsgefühl der betroffenen Extremität.

Bei Thrombosen in tiefgelegenen Venen verspürt man einen dumpfen Schmerz, ähnlich einem Muskelkater. Generell nehmen die Schmerzen ab, wenn die betroffene Extremität horizontal gelagert wird und die Schwellung des Beines wieder rückläufig ist. Weitere Merkmale sind eine überempfindliche, überwärmte Haut und eventuell eine Blaufärbung der Haut. Nicht selten sind die genannten Beschwerden überhaupt nicht oder nur gering ausgebildet (asymptomatische Thrombose).

Bewerte diese Seite

 
 
 
 
 
 
 
Bewerten
 
 
 
 
 
 
0 Bewertungen
0 %
1
5
0