Weitere Maßnahmen

Bereits bei der Lagerung des Patienten kann die Thromboseprophylaxe beginnen

Wirkung

Das Ziel einer jeden physikalischen Maßnahme muss sich aus ihrer begründeten, den venösen Rückfluss steigernden Wirkung (Kreislauffaktor) definieren, da diese Tatsache eine der drei Hauptursachen für die Entstehung einer Thrombose darstellt.

Sprunggelenkpumpe

Erste Erfahrungen mit einem dem Bettfahrrad ähnlichen Gerät liegen seit jüngster Zeit vor. Diese motorisierte Bewegungsschiene zur passiven Bewegung des oberen Sprunggelenkes bewirkt eine Beschleunigung der Flussgeschwindigkeit und somit auch des venösen Rückstroms und eine Zunahme des Blutvolumens in den unteren Extremitäten über die Übungsphase hinaus. Somit ist kein kontinuierlicher Einsatz der Bewegungsschiene erforderlich.

Erstmals konnte auch gezeigt werden, dass kontinuierliche passive Bewegungen einen Einfluss auch auf den arteriellen Zufluss besitzen. Es konnte eine relative Erhöhung der maximalen arteriellen Flussgeschwindigkeit festgestellt werden.

Dieses Ergebnis ist jedoch hinsichtlich seiner Konsequenzen noch vorsichtig zu bewerten. Es konnte gezeigt werden, dass die passive Bewegung im oberen Sprunggelenk zu einer generalisierten Stimulation der Hämodynamik in der unteren Extremität führt und stellt somit einen wesentlichen Faktor in der Thromboseprophylaxe dar.

Elektrische Wadenstimulation

Die Methode der elektrischen Wadenstimulation ist in Deutschland relativ unbekannt. Klecker und Thess (1994, in Neander 1997) haben die Methode der transkutanen elektrischen Muskelstimulation entwickelt, die den praktischen Einsatz auf der Station ermöglicht.

Es werden Klebeelektroden am Unterschenkel angebracht, die dann eine transkutane elektrische Stimulation auf den Muskel ausüben. So wird der venöse Rückfluss (in der Vena poplitea) gefördert.
Diese Stimulation erfolgt mehrmals täglich für die Dauer von 15 Minuten.

Ausstreichen der Beine

Das herzwärts gerichtete Ausstreichen der Beine ist eine sehr effektive Maßnahme zur Thromboseprophylaxe und es kann ohne zusätzlichen Zeitaufwand in die tägliche Körperpflege integriert werden.

Das Ausstreichen kann auch über den Thromboseprophylaxestrümpfen erfolgen. Jedoch sollte die blanke Haut vorgezogen werden.

Das auszustreichende Bein wird leicht angehoben und mit relativ fest umschließenden Griff an der rückwärtigen Seite des Unterschenkels von der Ferse über die Kniekehle hinaus drei- bis fünfmal ausgestrichen.

Achtung: Das Ausstreichen der Beine ist verboten bei Verdacht oder Bestehen einer Beinvenenthrombose sowie bei Herzinsuffizienz. Gibt der Patient Schmerzen beim Ausstreichen der Beine an, ist Rücksprache mit dem Arzt zu halten.

Lagerung der Beine um 20° erhöht

Bereits bei der Lagerung kann die Thromboseprophylaxe beginnen: Liegt der Mensch auf dem Rücken, so muss das Blut den sogenannten Femoralisberg beim Zurückfließen aus den unteren Extremitäten hin zum Herzen überwinden. Um dies zu erleichtern, wird die Hochlagerung beider Beine um ca. 20° empfohlen. Die Strömungsgeschwindigkeit in den Beinen erhöht sich wegen des venösen Gefälles zum Herzen und der venöse Gesamtquerschnitt aller parallel geschalteten Venen in den erhobenen Beinen nimmt ab, da die Venen kollabieren.

Auch wenn nicht in allen Studien eine signifikante Reduktion der Thrombosehäufigkeit nachgewiesen werden konnte, sollte man diese einfach durchzuführende Maßnahme zur Anwendung bringen.

Die Beine sollten dabei leicht gebeugt gelagert werden, weil durchgedrückte Knie über einen längeren Zeitraum Schmerzen verursachen.

Die Femoralgefäße in der Leistengegend dürfen nicht abgeknickt sein, d.h. es darf kein rechter Winkel zwischen Oberschenkel und Becken entstehen.

Die Gefäße in den Kniekehlen dürfen ebenso nicht in ihrer Abflussmöglichkeit behindert sein, z. B. durch das Einlegen einer zu harten Knierolle.

Achtung: Es darf keine manifeste Herzinsuffizienz bei dem Patienten vorliegen!

Aktivierung der Muskelpumpe

Grundvoraussetzung dafür ist die Fähigkeit des Menschen seine "Muskelpumpe" zu aktivieren, d.h. selbst in der Lage zu sein, willentlich die Muskeln der unteren Extremitäten anspannen und entspannen zu können. Das kann z.B. bei Menschen nach operativen Eingriffen der Fall sein, die ihr Bett nicht, oder nur für kurze Zeit verlassen können.

Bewegungsübungen im Bett

Bei den Bewegungsübungen soll sich der Patient so wenig wie möglich anstrengen.

Er soll während der Übungen gleichmäßig und ruhig atmen und die Übungen so oft wie möglich durchführen.

Zu bedenken ist, dass gerade bei neurologischen Erkrankungen ein zu intensives Beüben der nicht betroffenen Seite, z.B. bei Lähmungen nach Schlaganfall, sich negativ auf die betroffene Seite hinsichtlich der Entwicklung von Spastizität auswirkt.

Daher dürfen Bewegungsübungen nur unter Anleitung einer fachkundigen Pflegekraft durchgeführt werden.

Welche Übungen geeignet sind, finden Sie hier.

Sofort- und Frühmobilisation

In der klinischen Praxis wird immer mehr Wert auf die Frühmobilisation gelegt. Studien haben allerdings gezeigt, dass die Steigerung des venösen Blutrückstromes nur sehr gering ausfällt. Es genügt daher nicht, den Patienten einfach nur kurz vor das Bett zu stellen. Er muss einige Schritte laufen, oder ist das nicht möglich, zumindest auf der Stelle treten, damit die Muskelpumpe überhaupt zum Einsatz kommen kann.

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