"Venöse Thromboembolie – zu oft eine Nebenwirkung"

Dr. Bischoff, A. in Phlebologie 1/2012: 46
Erscheinungsdatum: Januar 2012

Abstract

Mahan CE et al. Deep vein thrombosis: A United States cost model for a preventable and costly adverse event; Thromb Haemost 2011; 106: 405 - 415

In den USA erleiden jedes Jahr ca. 1 Mio Menschen eine venöse Thromboembolie (VTE). Zwischen 100.000 und 300.000 Menschen versterben jährlich daran. Zwei Drittel dieser Sterbefälle treten bei hospitalisierten Patienten auf. Eine adäquate Thromboseprophylaxe könnte die Mehrzahl dieser Todesfälle verhindern, wird jedoch nicht umgesetzt.

Nach WHO Definition gilt eine VTE im Hospital als vermeidbar, wenn sie bei Unterlassung geeigneter pharmakologischer oder mechanischer Prophylaxemaßnahmen auftritt. VTE wird damit faktisch zu einer unerwünschten Nebenwirkung der Behandlung, und nicht als Komplikation der Erkrankung gewertet.
Konsequenterweise wird die Therapie einer VTE, die im KH z.B. nach einer Hüft- oder Knieoperation auftritt, von den amerikanischen Kostenträgern nicht mehr vergütet.

Mit dem von Mahan und Mitarbeitern entwickelten Kostenmodell wurden die zur Behandlung der VTE aufzuwendenden Gesamtkosten in den USA mit bis zu 52 Milliarden Dollar beziffert. Davon entfielen bis zu 36 Mrd. Dollar auf krankenhausassoziierte VTE.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass wirksamere Maßnahmen dringend erforderlich sind, um diese erhebliche und unnötige Morbidität und Mortalität zu verhindern.

Fazit

Krankenhausassoziierte Thrombosen sind gem. WHO-Definition als unerwünschte Nebenwirkung der Behandlung, und nicht als Komplikation der Erkrankung zu werten. Auch die deutsche Fallpauschalenverordnung sieht hier eine Fallzusammenführung vor, d.h. das KH kann die zusätzlich entstehenden Kosten nicht separat abrechnen.

Praxisbeispiel

„Werden Patienten oder Patientinnen, für die eine Fallpauschale abrechenbar ist, wegen einer in den Verantwortungsbereich des Krankenhauses fallenden Komplikation im Zusammenhang mit der durchgeführten Leistung innerhalb der oberen Grenzverweildauer, bemessen nach der Zahl der Kalendertage ab dem Aufnahmedatum des ersten unter diese Vorschrift zur Zusammenfassung fallenden Aufenthalts, wieder aufgenommen, hat das Krankenhaus eine Zusammenfassung der Falldaten zu einem Fall und eine Neueinstufung in eine Fallpauschale vorzunehmen. Eine Zusammenfassung und Neueinstufung wird nicht vorgenommen bei unvermeidbaren Nebenwirkungen von Chemotherapien und Strahlentherapien im Rahmen onkologischer Behandlungen.“ (§ 2 Abs. 3 FPV)

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

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