Kompressionsstrümpfe verringern Risiko von Blutgerinnseln nach Schlaganfall nicht

The CLOTS Trials Collaboration. Effectiveness of thigh-length graduated compression stockings to reduce the risk of deep vein thrombosis after stroke (CLOTS trial 1): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60941

Abstract

Diese randomisierte, kontrollierte Studie analysierte 2518 Patienten aus 64 Zentren in Großbritannien, Italien und Australien. Die bewegungsunfähigen Patienten wurden innerhalb einer Woche nach akutem Schlaganfall in Krankenhäuser eingewiesen. Eine Gruppe der Patienten erhielt zusätzlich zur Standardversorgung die Thromboseprophylaxestrümpfe (n=1256), die andere Gruppe nur die routinemäßige Versorgung (n=1262). Bei jedem Patienten wurden Ultraschalluntersuchung beider Beine nach 7 bis 10 Tagen und nochmals nach 25 bis 30 Tagen nach Aufnahme in der Studie aufgenommen. Primärer Ergebnisparameter war das Auftreten von tiefen Venenthrombosen im Schenkel. Die Forscher stellten fest, dass bei 10,0 Prozent der Patienten der MTS-Gruppe und bei 10,5 Prozent der Patienten der Standardgruppe TVTs auftraten.

Der Unterschied war somit statistisch nicht signifikant. Zudem waren Hautschädigungen, Geschwüre, Blasen und absterbende Hautgewebe bei den MTS-behandelten Patienten signifikant häufiger vorzufinden als in der routinemäßig behandelten Gruppe (5 Prozent gegenüber 1 Prozent).

Fazit

CLOTS 1 liefert den wissenschaftlichen Beleg, dass MTPS minderer Qualität in ihrer Effizienz eingeschränkt sind und unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Aufgrund bekannter Qualitätsunterschiede bei MTPS verschiedener Hersteller ist fraglich, ob die im Zusammenhang mit CLOTS 1 vorgenommenen Verallgemeinerungen und Übertragungen auf alle im Markt verfügbaren MTPS zulässig ist.

Originalartikel

Effectiveness of thigh-length graduated compression stockings to reduce the risk of deep vein thrombosis after stroke (CLOTS trial 1): a multicentre, randomised controlled trial

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

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