Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe

"Expertengruppe sieht Potential, fordert aber exakte Wirksamkeitsstudien", Dr. Wedekind, S. Beilage Pharmawissen aktuell in Der Chirurg, Ausgabe 4, April 2012, Springer Medizin, 2012
Erscheinungsdatum: April 2012

Abstract

Springer Medizin Verlagsworkshop „Thromboseprophylaxe“ am 20.02.2012 in München - Die Teilnehmer des Workshops verständigten sich auf folgende vorläufige Empfehlungen:

  • Patienten mit mittlerem und hohem VTE-Risiko benötigen neben Basismaßnahmen entsprechend der Vorgaben in der S3-Leitlinie zusätzlich eine medikamentöse Prophylaxe.
  • MTPS sollten regelmäßig bei Patienten mit mittlerem bis hohem VTE-Risiko und Kontraindikationen gegen Antikoagulanzien angewendet werden.
  • Nach abdominellen Eingriffen in Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Urologie sollten Patienten mit hohem Thromboembolierisiko auch MTPS erhalten.
  • Kontraindikationen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit oder das diabetische Fußsyndrom müssen vor der Anwendung von MTPS abgeklärt werden.
  • Bei der Anwendung von MTPS ist vor allem die Auswahl der richtigen Größe des Strumpfes entscheidend für die Wirkung. Das korrekte Anmessen eines MTPS ist deshalb für die vorbeugende Wirkung unerlässlich. Eingesetzt werden sollten nur Strümpfe von hoher Qualität.
  • Die Evidenz für den Nutzen von MTPS zusätzlich zur medikamentösen Thromboseprophylaxe bei Patienten mit mittlerem bis hohem VTE-Risiko ist derzeit nicht ausreichend. Um den Kenntnisstand zum Nutzen von MTPS zu verbessern, sollten möglichst rasch geeignete Studien mit biomechanisch exakt charakterisierten Strümpfen initiiert werden.
  • Bis Daten vorliegen, die eine Neubewertung erlauben, sollten die in der S3-Leitlinie dokumentierten Empfehlungen zum Einsatz von MTPS im Sinne der Sorgfaltspflicht befolgt werden.
  • Alle Thromboseprophylaxemaßnahmen, und somit auch der Einsatz von MTPS, müssen sorgfältig und lückenlos dokumentiert werden, da die Nichtdokumentation von aufzeichnungspflichtigen Maßnahmen grundsätzlich ihr Unterlassen indiziert.


Fazit

MTPS sollten im Sinne der Sorgfaltspflicht weiterhin eingesetzt werden, solange keine belastbaren neuen Studiendaten vorliegen, die gegen die Anwendung sprechen. Aufgrund der bestehenden Qualitätsunterschiede bei MTPS sollten nur Strümpfe von hoher Qualität Verwendung finden.

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

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