Gefährliche Blutgerinnsel

Erscheinungsdatum: 30.11.2011

Abstract

Ärzte, Wissenschaftler, Juristen und Gesundheitsökonomen haben sich in einer Expertengruppe Thromboseprophylaxe unter dem Dach des Medical Data Instituts (Starnberg) zusammengefunden, um mehr Klarheit über eine effektive Thromboseprophylaxe zu schaffen.

Der derzeitige Stand der Wissenschaft lässt Fragen offen. Bei etwa 20 % aller Patienten  liegen spezielle Umstände vor, die in den Leitlinienempfehlungen nicht berücksichtigt sind. Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe sind daher immer den individuellen Risikogegebenheiten des Patienten anzupassen.

Auch wenn die S3-Leitlinie zunächst nur eine „Empfehlung“ ist, kann sie im Falle einer Patientenklage verbindlichen Charakter erlangen. Die Klinik muss in diesem Fall nachweisen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht gegenüber dem Patienten gewahrt und nach dem aktuellen Stand der pflegerischen und medizinischen Wissenschaft und Forschung gehandelt hat.

Abweichungen von der Leitlinie müssen individuell begründet und dokumentiert sein, um sich vor einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme zu schützen.

Jährlich entstehen dem Gesundheitssystem Belastungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für die Behandlung des postthrombotischen Syndroms. Eine effiziente Thromboseprophylaxe hilft, diese Belastung zu reduzieren.

Fazit

Aus Kostengründen MTPS aus der perioperativen Thromboseprophylaxe zu streichen, ist medizinisch und juristisch risikobehaftet, da MTPS in der Leitlinie ausdrücklich für bestimmte Eingriffe, z.B. im Bauch- und Beckenbereich oder nach gefäßchirurgischen Eingriffen, empfohlen werden. Ein genereller Verzicht kann zu einer schuldhaften Sorgfaltspflichtverletzung führen.

Zu den Artikeln

Gefährliche Blutgerinnsel

Task Force Thromboseprophylaxe

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

War dieser Artikel hilfreich?