Expertengespräch

"Individuelle und risikoadaptierte Thromboseprophylaxe. Wie soll sie aus medizinischer und aus haftungsrechtlicher Sicht betrieben werden?"
Erscheinungsdatum: Juli 2012

Abstract

Köln. Für eine zeitgemäße Thromboseprophylaxe müssen ärztliche und pflegerische Behandler ihre eigene Expertise und die unterschiedlichen vorliegenden Handlungsempfehlungen auf die individuelle Situation des betroffenen Patienten einstellen. Mit klaren Hinweisen haben hochkarätige Experten aus Medizin, Recht und Pflege beim „Expertengespräch Thromboseprophylaxe“ der PWG-Seminare und der Universitätsklinik Köln jetzt Unsicherheiten in der aktuellen Fachdiskussion weitgehend beseitigt.

Nach Prof. Dr. Knut Kröger, Gefäßmediziner und Direktor der Klinik für Angiologie am HELIOS Klinikum Krefeld, richtet sich die Auswahl der jeweiligen Prophylaxeform an der Einstufung der Patienten in die Kategorien niedriges, mittleres und hohes VTE-Risiko aus. Optimaler Schutz verspreche letztlich ein Mix aus den Basis-, physikalischen und medikamentösen Maßnahmen, so Kröger.

Der Kölner Arzt- und Pflegerechtler Prof. Dr. Volker Großkopf knüpfte hieran an und betonte, wie wichtig eine umfassende Aufklärung und Dokumentation aller Maßnahmen und Risiken einer Thromboseprophylaxe auch mit Blick auf eine mögliche spätere haftungsrechtliche Überprüfung ist.

Prof. Dr. Peter Kujath, Leiter der Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, konzentrierte sich auf die Effektivität des Medizinischen Thromboseprohylaxestrumpfes (MTPS). Sein Votum und die Praxis in seiner Universitätsklinik sind eindeutig: In allen Risikoklassen sollten die MTPS von den Patienten während der Immobilität kontinuierlich bis zum Erreichen der Mobilität getragen werden.

Fazit

Die Auswahl der geeigneten Maßnahmen zur VTE-Prophylaxe orientiert sich am individuellen Risiko des Patienten. Erfahrungen aus der Risikoklassifizierung von Patienten einer Universitätsklinik zeigen, dass MTPS im praktischen Klinikalltag wichtig und ihr Einsatz konform zu den Empfehlungen der S3-Leitlinie ist. Vorraussetzung für die Effizienz ihrer Wirkung sind die korrekte Größenauswahl sowie eine gute Kompetenz des Pflegepersonals. Aus haftungsrechtlichen Gründen ist eine umfassende Aufklärung und Dokumentation unerlässlich.

Pressemitteilung des Medical Data Institutes

Erscheinungsdatum: 01.08.2012
"Klare Leitlinien für eine zeitgemäße Thromboseprophylaxe gewünscht"

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

War dieser Artikel hilfreich?