Defizite in der Thromboseprophylaxe: BVMed-Fachbereich informiert

14.01.2015|03/15|Berlin| Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt sich für eine Verbesserung der Thromboseprophylaxe in deutschen Kliniken ein

Abstract

Dazu gehören ein verbessertes Wissen über die unterschiedlichen Arten der Kompression und die entsprechend korrekte Handhabung der medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS). Der Fachbereich "Mechanische Thromboseprophylaxe" des BVMed hat hierzu ein Hintergrundpapier "Über den Umgang mit Kompression in deutschen Kliniken" vorgelegt, das Defizite und Verbesserungspotenziale aufzeigt. Das Papier kann unter www.bvmed.de/hintergrund-kompression heruntergeladen werden.

Nach Ansicht der Experten fehlt es in vielen Kliniken sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich an Bewusstsein für die Wirkung und die Wichtigkeit von Kompressionstherapien. Kompression werde vielfach erst thematisiert, "wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist". Das Thema Kompression erhalte lediglich nach aufgetretenen Thrombosen, Lungenembolien, Hautschädigungen oder massiven Patientenbeschwerden eine zeitlich begrenzte Aufmerksamkeit, so das BVMed-Papier.

Die BVMed-Experten plädieren dafür, das Wissen der Ärzte und der Pflegekräfte über medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe, intermittierende pneumatische Kompression und Wickelbinden zu verbessern.

Quelle: http://www.bvmed.de/de/bvmed/presse/pressemeldungen/thromboseprophylaxe-in-kliniken-verbessern

BVMed Infoblatt

Neben dem Hintergrundpapier gibt es ein BVMed-Infoblatt über die unterschiedlichen Arten von komprimierenden Strümpfen, deren korrekte Einsatzgebiete und die Unterschiede in der Anwendung. Mehr Informationen zur Thromboseprophylaxe gibt es unter www.bvmed.de/thromboseprophylaxe.

Richtiges Vermessen und Anziehen von MTPS

Wichtig ist es nach Ansicht der BVMed-Experten, mit dem Maßband korrekt umzugehen, dabei beide Beine richtig zu vermessen, einen regelmäßigen Strumpfwechsel durchzuführen und das Anziehen der MTPS nicht den Patienten zu überlassen. Die Strümpfe müssten auf den korrekten und faltenfreien Sitz am Bein kontrolliert werden. Sinnvoll seien Anziehhilfen, die vom Patienten als angenehm empfunden werden und Rücken und Hände des Pflegepersonals schonen. Außerdem müsste eine tägliche Kontrolle der Durchblutung unter dem Strumpf durchgeführt werden.

Anziehhilfe
Anziehhilfe: medi hospital butler

Aktueller Wissensstand: Physikalische Thromboembolieprophylaxe

Inhalt unseres Videos zum medi Satellitensymposium: Die medizinische Thromboseprophylaxe besteht aus physikalischen und medikamentösen Maßnahmen. Für die physikalische Behandlung ist in Deutschland die Anwendung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS) etabliert. Kürzlich erschienene Publikationen stellten den Nutzen einer physikalischen Prophylaxe generell infrage.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine belastbare Evidenz für einen Verzicht auf MTPS bei chirurgischen Patienten. Dies gilt auch bei Verabreichung der neu eingeführten oralen Anti-Xa- und Anti-IIa-Inhibitoren.

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