Schmerzensgeld wegen unterlassener Thromboseprophylaxe


Abstract

Rechtsdepesche im Gesundheitswesen; Hg Prof. Dr. Volker Großkopf; Jahrgang 9 (2012), Nr. 2 Mrz/ Apr.; Köln, G&S 2012, S. 78 - 81
Erscheinungsdatum: März 2012

LG Potsdam vom 05.05.2011 (11 O 187 / 08)

Sachverhalt

Der Kläger ist Alleinerbe seiner am 17. August 2005 verstorbenen Ehefrau. Er macht einen Schmerzensgeldanspruch der Erblasserin sowie eigene Ansprüche gegen das beklagte Krankenhaus geltend. Unter anderem wird dem beklagten KH vorgeworfen, nicht alle Maßnahmen zur Vorbeugung einer Thrombose (inkl. MTPS) durchgeführt zu haben. Die Ehefrau wurde am 04. August 2005 nach einem Fahrradunfall, der am Unfalltag zunächst mit einem Oberschenkelgips versorgt wurde, in das beklagte KH verlegt und erhielt dort 5 Tage später einen Fixateur externe. Am 16 August erllitt die Patientin einen Lungeninfarkt sowie ein hochgradiges Hirnödem. Sie verstarb einen Tag später.

Entscheidung

Der Kläger hat einen Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes i. H. v. 15.000 Euro sowie auf Feststellung der Verpflichtung, Schäden wegen eines Behandlungsfehlers zu ersetzen. Seitens des beklagten KH ist unterlassen worden, die Patientin durchgängig mit einer Thromboseprophylaxe zu versorgen. Das Gericht schließt diese Unterlassung aus der lückenhaften Dokumentation des KH.

Die Nichtdokumentation von aufzeichnungspflichtigen Maßnahmen indiziert grundsätzlich ihr Unterlassen. Die Nichtvornahme der Thromboseprophylaxe wurde vom Gericht auch als Behandlungsfehler gewertet, denn bei einem so hohen Thromboserisiko hätte eine lückenlose Prophylaxe durchgeführt werden müssen.

Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Fazit

Das Unterlassen der Thromboseprophylaxe  stellt einen groben Behandlungsfehler dar, welcher eine Beweislastumkehr bewirkt. Dies bedeutet, dass das KH nachweisen muss, es habe nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft und dem individuellen Risiko des Patienten sachgerecht gehandelt. Eine lückenhafte Dokumentation (fehlender Eintrag von Thromboseprophylaxemaßnahmen; z.B. MTPS) indiziert grundsätzlich ihr Unterlassen und führt damit zur Inanspruchnahme der Einrichtung.

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