Zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Liposuktion bei Lipödem?

In bestimmten Fällen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (GKV) die Kosten für eine Liposuktion beim Lipödem ab dem Stadium 3. Erfahren Sie, für welche Patienten die Kostenübernahme möglich ist.
(Stand 04/2022)

Liposuktion bei Lipödem

Wer übernimmt die Kosten für eine Liposuktion bei Lipödem – ist das eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse?

Die Liposuktion ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das krankheitsbedingt vermehrte Fettgewebe von Lipödem-Patienten entfernt wird. Nicht selten müssen die Betroffenen für eine Behandlung mehrmals operiert werden. Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten? 

Die Liposuktion beim Lipödem gehört ab dem Stadium 3 in bestimmten Fällen zur Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Der Beschluss ist zunächst bis zum 31. Dezember 2024 befristet – und gilt für Patienten, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen.  

Liposuktion: Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse bei Lipödem Stadium 3

Der G-BA hat klare Regeln festgelegt, welche Patientengruppen für die Liposuktion zulasten der GKV infrage kommen:  

  • Vor einer Operation des Lipödems im Stadium 3 muss über einen Zeitraum von sechs Monaten eine konservative Therapie kontinuierlich durchgeführt worden sein: beispielsweise Lymphdrainage, Kompression und Bewegungstherapie. Wenn trotz der konservativen Therapie keine Linderung der Beschwerden eintrat, kann der behandelnde Arzt die Durchführung einer Liposuktionsbehandlung verordnen. 
  • Liegt der Body-Mass-Index (BMI) unter 35, darf eine Liposuktion bei Lipödem im Stadium 3 durchgeführt werden. Bei Patientinnen mit einem BMI ab 35 soll zusätzlich zur Liposuktion eine Behandlung der Adipositas stattfinden. Bei einem BMI ab 40 soll keine Liposuktion durchgeführt und zunächst die Adipositas behandelt werden. Dies resultiert vor allem aus der Anhörung der medizinischen Fachgesellschaften. 
  • Für eine gesicherte Diagnose des Lipödems im Stadium 3 muss der behandelnde Arzt dem G-BA zufolge feststellen, dass die Patientin an einer übermäßigen Fettgewebsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen von Haut und Unterhaut und einem Druck- oder Berührungsschmerz im Weichteilgewebe der betroffenen Extremitäten leidet, wobei Hände und Füße nicht betroffen sind. 

Neue Studie: Warum die Liposuktion bei Lipödem Stadium 1 – 2 noch keine Kassenleistung ist

Liegt ein Lipödem Stadium 1 oder 2 vor, lehnen die Krankenkassen Anträge auf Kostenübernahme in aller Regel ab. Um diese Vorgehensweise zu überprüfen und den Nutzen der Liposuktion bei Lipödem im Vergleich zu einer alleinigen konservativen, symptomorientierten Therapie festzustellen, hat der G-BA eine Erprobungsstudie zur Liposuktion (LIPLEG) initiiert.  

Zusatzinfo: Solange der Nutzen einer neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethode wissenschaftlich nicht hinreichend belegt ist, können Versicherte mit Lipödem Stadium 1 und 2 die entsprechenden Leistungen nicht von ihrer Krankenkasse erhalten.  

Die Erstattung von flachgestrickten Kompressionsstrümpfen als konservative Therapieform ist aber grundsätzlich möglich. 

Liposuktion: Mehr Erkenntnisse durch neue Studie zur Lipödem-Therapie

Das Verfahren zur Nutzen-Bewertung, der medizinischen Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Liposuktion bei Lipödem geht auf einen Beratungsantrag der Patientenvertretung im G-BA zurück. Da die Studienlage nicht ausreichend war, hatte der G-BA im Juli 2017 den Beschluss gefasst, die Bewertung auszusetzen, um eine Studie zur Verbesserung der Erkenntnislage auf den Weg zu bringen. 

Studienablauf

Der G-BA beauftragte zwei unabhängige Institutionen, die geplante Studie wissenschaftlich zu begleiten und die Ergebnisse auszuwerten: das Zentrum für Klinische Studien (ZKS) der Universität zu Köln und die Hautklinik des Klinikums Darmstadt. Diese wählen die Studienzentren aus, die die Anforderungen des G-BA erfüllen. Die Studienzentren nehmen geeignete Patientinnen und Patienten in die Studie auf und führen Behandlung sowie Nachbeobachtung durch. 

Lipödem – was ist das?

Beim Lipödem handelt es sich um eine massive Fettverteilungsstörung an den Extremitäten. Meist sind die Beine beziehungsweise die Oberschenkel betroffen. Zusätzlich bestehen vermehrte Wassereinlagerungen in den betroffenen Körperregionen. Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf. Die Ursache des Lipödems ist bisher unbekannt. Deshalb zielt die in der Regel lebenslang anzuwendende konservative Therapie wie Lymphdrainage, Kompression und Bewegungstherapie auf eine Linderung der Beschwerden ab. 

Hier finden Sie weitere Informationen zu Krankheitsbild, Therapiemöglichkeiten sowie Erfahrungsberichte zum Thema Lipödem. 

Hinweis: An der Studie können nur Patientinnen teilnehmen, die innerhalb der vorgesehenen Frist (1.10. bis 31.12.2019) ihre Interessensbekundung über die Webseite registriert hatten.