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Compression and Coffee: Therapie von Venen- und Ödem-Erkrankungen

Medizinischen Herausforderungen gemeinsam begegnen

Compression and Coffee: Neue Impulse in der Therapie von Venen- und Ödemerkrankungen

Aktuelle wissenschaftliche Vorträge und praxisrelevante Beiträge rund um das Thema Kompression standen im Mittelpunkt der digitalen Veranstaltung „Compression and Coffee“. Einen Vormittag lang tauschten sich Mediziner, Therapeuten und Gesundheitsexperten zu folgenden zwei Schwerpunkten aus: Erstens medizinische adaptive Kompression (MAK) und wie erfolgsentscheidend Netzwerkarbeit dabei ist. Zweitens die fortschreitende Digitalisierung und welche Chancen sich daraus für den Einzelhandel, das Gesundheitswesen im Ganzen und für das Personalmanagement von Unternehmen ergeben.

Bereits zum zweiten Mal fand das digitale Event für Ärzte, Fachhändler und Therapeuten statt mit dem Ziel, als starkes Netzwerk Patienten mehr Lebensqualität zu schenken. „Der Zuspruch unserer letztjährigen Auftaktveranstaltung ‚Lymph und Lunch’ war überwältigend“, erklärt Klaus Herold, Leitung Department Compression und Moderator der Veranstaltung. „Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist der interdisziplinäre Austausch ebenso elementar wie eine aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure – nur so kann die Versorgungsqualität von Patienten nachhaltig verbessert werden.“ Teilgenommen an der Veranstaltung haben über 500 Experten – zusätzlich konnten alle Teilnehmer ihre Fragen live im Chat an die Referenten richten.

Medizinische adaptive Kompression: Innovative Versorgungsmöglichkeiten für ein optimales Therapieergebnis

Den Auftakt machte Prof. Dr. Joachim Dissemond, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsklinik Essen. In seinem Vortrag „Medizinische adaptive Kompression (MAK) bei Ulcus cruris: Leitlinien, Wirtschaftlichkeit und Selbstmanagement“ gab er Einblicke in die leitliniengerechte Kompressionsversorgung – mit dem Ziel, vor allem Haus- und Allgemeinärzten Handlungsempfehlungen zu geben, um in der Kompressionstherapie mehr Verordnungssicherheit und eine patientenindividuelle Versorgung zu ermöglichen. „Medizinische adaptive Kompressionssysteme sind in Deutschland eine relativ neue Versorgungsoption bei lymphologischen und phlebologischen Indikationen und erst seit Kurzem budgetneutral verordnungsfähig“, erklärte Prof. Dr. Dissemond. Dank der einfachen Handhabung und der unelastischen Material-Eigenschaften sind sie eine gute Alternative zu herkömmlichen Kurzzugbinden und Mehrkomponenten-Systemen in der Entstauungstherapie des Ulcus cruris – und können von den Patienten selbst angelegt werden. „Dies spart Ressourcen beim Fachpersonal, da es nur der initialen Anleitung bedarf“, weiß Prof. Dr. Dissemond aus der Praxis. „Die Patienten sind zeitlich flexibler und können aktiv bei ihrer Therapie mitwirken, was die Adhärenz erhöht und somit zu einem besseren Therapieergebnis führen kann. Meine Empfehlung: Die Auswahl der Bandagierungstechnik beziehungsweise des Verband- oder Kompressionssystems sollte immer individuell mit Patienten und ihren Angehörigen geplant werden. Zu berücksichtigen sind dabei die Diagnose, die Beschwerden und die Präferenzen des Patienten sowie die Erfahrungen und Fähigkeiten des Anwenders.“

Der inhaftierte Patient: Medizinische Versorgung von Ulzerationen im Strafvollzug

Medizin und Gefängnis – eine auf den ersten Blick ungewohnte Kombination. Aber auch im Strafvollzug gilt das Äquivalenz-Prinzip: Die medizinische Versorgung muss genauso gewährleistet sein wie in Freiheit. Björn Jäger, Examinierter Krankenpfleger und Pflegetherapeut Wunde ICW am Niedersächsischen Justizvollzugskrankenhaus Lingen, berichtet im zweiten Vortrag des Tages anschaulich von seinem Alltag mit Gefangenen: „In der Regel sind die Patienten froh und dankbar, dass sich endlich jemand professionell um ihre Ulzerationen kümmert. Viele chronische Wunden sind die Folge von jahrelangem Drogenmissbrauch oder unsachgemäßer Versorgung.“

Anhand zweier Fallbeispiele spricht Björn Jäger über Erfolgshebel und Chancen beim Wundmanagement in der Haftanstalt. Sein Resümee: „Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung bei uns im Gefängniskrankenhaus kaum von der in einem Akut-Krankenhaus. Essenziell ist für uns ein gut funktionierendes Netzwerk aus Fachhandel, Ärzten, Therapeuten und sozialen Einrichtungen – so wird sichergestellt, dass die guten Ergebnisse konserviert und die Behandlung fortgesetzt wird, nachdem die Häftlinge entlassen werden.“

Erfolgsgeschichten in der Lymphologie: Ein Praxisbericht aus der Lympho Opt Klinik

Dr. Franz-Josef Schingale, Leiter der Lympho Opt Klinik in Pommelsbrunn und Spezialist auf dem Gebiet der Lymphologie, berichtete über imposante Spezialfälle aus seinem Klinik-Alltag, bei denen massive Entstauungen erzielt werden konnten – die vorwiegend ausländischen Patienten haben dadurch ein Stück Lebensqualität und Autonomie zurückerhalten. Seine Erfahrungen im Überblick:

  • Bei chronischen Ödemen ist die Kompression ein Muss, da die Erkrankung ansonsten immer weiter voranschreitet.
  • Patienten sollten immer zum Selbstmanagement angeleitet und geschult werden, um eine weitere Verbesserung des Ödems zu erreichen.
  • Mit der medizinischen adaptiven Kompression (MAK) ist Selbstmanagement möglich, leicht anwendbar und zeitsparend – und entlastet zusätzlich Klinikpersonal und Pflegekräfte.


Trends im Gesundheitswesen: Welche Technologien den Handel in Zukunft prägen

Besonders inspirierend bewerteten die Zuschauer den Beitrag von Silvia Talmon, Geschäftsführerin The Store Designers und Gründerin von The Retail Academy, Köln. Anhand Beispiele bekannter Marken erklärte die Expertin, welche Trends den Einzelhandel in Zukunft beeinflussen, wie neue Retail-Formate entstehen und welche Chancen sich dadurch für die Gesundheitsbranche ergeben.

Die Verschmelzung von Online- und Offline-Kanälen ermöglicht es Endverbrauchern einzukaufen, wann und wo immer sie wollen – und erhöht dadurch den Druck auf den stationären Einzelhandel. Doch jeden Trend mitzumachen, wäre der falsche Ansatz: „Sie entscheiden individuell, welche Kanäle Sie bespielen. Hauptsache Sie tun es gut und konsequent. Die Verknüpfung vom stationären Handel ins Digitale ist wichtig – das heißt aber nicht automatisch, dass jedes Sanitätshaus einen Onlineshop braucht“, empfiehlt Silvia Talmon. „Aber Ihr Kunde sucht Sie online und sollte Sie dort auch finden. Eine Landing-Page mit Adresse, Ihren Öffnungszeiten und Ihrer Telefonnummer als digitale Visitenkarte ist sinnvoll.“

Individualisierung macht den Handel erfolgreicher

Laut Retail-Expertin Silvia Talmon rückt das Thema Gesundheit mit den Trends Achtsamkeit und Digital Health vermehrt in den Vordergrund – Unternehmen sind gut beraten, in digitale Gesundheitsprodukte zu investieren. Diese können die Patientenversorgung und den Arbeitsalltag der Fachhändler immens vereinfachen.

Darüber hinaus könnten Sanitätshäuser virtuelle Showräume anbieten, in denen Kunden sich von zu Hause aus über Produkte informieren können: Welche Kompressionsstrümpfe oder Orthesen gibt es für welche Indikationen? Wie werden diese vermessen und angepasst? „Auch digitale Flächen im Store wie ein Produkt-Konfigurator sind zielführend, um das Erlebnis für Kunden noch persönlicher zu gestalten“, rät Silvia Talmon. Ebenfalls könnte der Fachhandel vom Trend zu Kooperationen mit anderen Unternehmen profitieren, um so sein Netzwerk und seine Reichweite zu erhöhen.

ePA, eRezept, TIM & Co. – So viel Potenzial liegt in der digitalen Vernetzung des Gesundheitswesens

Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eine verlässliche und sichere Telematikinfrastruktur (TI), die schrittweise alle Akteure des Gesundheitswesens vernetzt – seit Dezember 2017 wird sie bundesweit ausgerollt. Nachdem die meisten Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken mittlerweile flächendeckend an die TI angeschlossen sind, folgen nun weitere Leistungserbringer wie zum Beispiel Labore. Um die Gesundheitsversorgung stetig zu verbessern, sind weitere Schritte geplant, wie der sukzessive Roll-out des eRezepts, zunächst für Arzneimittel, oder die elektronische Patientenakte (ePA), die Patienten bereits nutzen können, um so mehr Souveränität und Kontrolle über ihre medizinischen Daten zu erhalten. Allerdings wurden bisher nur knapp 500.000 ePAs freigeschaltet. „Die gute Nachricht ist, das Interesse der Bevölkerung steigt langsam“, erklärt Laura Nelde. „Die elektronische Patientenakte ist ein optimales Beispiel dafür, wie viel Potenzial in der digitalen Vernetzung liegt. Fakt ist aber auch, dass wir dieses Potenzial noch nicht umfassend nutzen.“ Laura Nelde ist Senior Insights Managerin bei Flying Health in Berlin und identifiziert mit ihren Kollegen neue Trends, um Visionen für die Zukunft des Gesundheitswesens zu entwickeln.

Eine bessere Versorgung durch den Ausbau der Telematikinfrastruktur

Chancen entstehen vor allem bei Patienten mit einem besonderen Bedarf an medizinischer Versorgung. Gerade Patienten mit einer komplexen Erkrankung im Bereich der Lymphologie sind beispielsweise darauf angewiesen, ihre Daten mit verschiedenen Akteuren wie Haus- und Fachärzten, Lymphologen, Lymphtherapeuten und Sanitätshäusern zu teilen – und können von der digitalen Entwicklung nur profitieren. Laura Nelde: „Genau dafür ist die ePA und später auch der TI-Messenger (TIM), eine Art WhatsApp für das Gesundheitswesen, relevant. Nach und nach könnten zusätzliche Funktionen eingeführt werden, die das Selbstmanagement der Patienten perspektivisch unterstützen. Dadurch kommt es zu aufgeklärteren Patienten, die bewusst Entscheidungen fällen und zu einer besseren Versorgung ihrer Erkrankung beitragen.“ Es entstehen aber auch Chancen für Leistungserbringende, die beispielsweise Patientendaten aus der ePA erhalten, wie den Medikationsplan, Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus, Befunde, Diagnosen oder Laborwerte – und diese miteinander teilen und sich austauschen können.

Apps auf Verordnung

Die ePA dient darüber hinaus als Schnittstelle zu weiteren digitalen Tools, dazu zählen zum Beispiel die Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Dies sind geprüfte, zertifizierte und zugelassene Medizinprodukte mit einem therapeutischen oder medizinischen Anspruch, die vom Arzt budgetneutral verordnet werden können. Nach der Prüfung durch die Krankenkasse kann der Patient die App direkt mittels Rezept-Code freischalten und nutzen. „Der Hilfsmittelhersteller medi hat bereits gemeinsam mit PrehApp, einem Hersteller von medizinischer Software, eine Digitale Gesundheitsanwendung auf den Markt gebracht, die Therapie-App companion patella“, berichtet Laura Nelde. „Die App unterstützt die Aufklärung und das Selbstmanagement von Patienten.“

Praktische Ideen für die Umsetzung eines ganzheitlichen Personalmanagements

Bereits letztes Jahr begeisterte Dr. Steffi Burkhart, Gesundheitspsychologin aus Köln, das Publikum mit ihrem Beitrag über die Bedeutung von Millennials für Unternehmen. Jetzt ging sie detaillierter auf Methoden und Werkzeuge ein, wie Ärzte und Fachhandel die jüngere Generation als Arbeitnehmer gewinnen und halten können. Denn wo Unternehmen früher aus einem großen Pool an Bewerbern die Top-Kandidaten auswählen konnten, entwickelt sich der Markt immer mehr zugunsten der Arbeitnehmer – mit entscheidenden Folgen für das Talentmanagement. „Wer als Arbeitgeber nur noch klassische Wege geht, wird nicht mehr ins Aufmerksamkeitsfeld der sogenannten Digital Natives kommen“, betonte Dr. Burkhart. „Was es braucht, sind kreative Ansätze, um potenziellen Bewerbern ein Gefühl zu vermitteln, wofür der Arbeitgeber steht. Die junge Generation möchte nicht nur Freude am Aufgabengebiet haben, sondern sich umfassend damit identifizieren und einen tieferen Sinn darin finden.“ Konkret bedeutet das für Unternehmen erstens zu analysieren, welche Bewerber sie als Zielgruppe ansprechen möchten und zweitens die eigene Besonderheit herauszuarbeiten – ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, das sie vom Wettbewerb abhebt und in den Augen potenzieller Bewerber einmalig, wiedererkennbar und attraktiv macht. Dr. Burkhart: „Emotionalisieren Sie Ihre Informationen, setzen Sie in der externen Kommunikation auf authentische und inspirierende Geschichten und Beispiele aus Ihrem Unternehmen. Wie sieht der Alltag einer Pflegekraft oder eines Orthopädieschuhtechnikers aus? Nehmen Sie potenzielle Bewerber mit in den Alltag Ihrer Mitarbeiter, je nach Zielgruppe zum Beispiel über LinkedIn, Facebook oder TikTok.“

Die Zukunft gemeinsam gestalten

Die Digitalisierung bringt viele Chancen mit sich – stellt die Gesundheitsbranche aber auch vor viele Herausforderungen. Dank digitaler Vernetzung stehen Informationen schneller und einfacher zur Verfügung. Mobile Angebote wie Gesundheits-Apps etablieren sich zunehmend und können die Behandlung von Erkrankungen unterstützen. „Wir müssen diese digitalen Chancen nutzen und die Entwicklung weiter vorantreiben – als ein starkes Netzwerk. Nur so schaffen wir es, die Versorgung auf ein neues Level zu heben und die Gesundheit unserer Patienten positiv zu beeinflussen“, beschließt Klaus Herold die Veranstaltung.


Quellen:

Rabe E et al. S2k-Leitlinie: Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK). Online veröffentlicht unter: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/037-005.html (Letzter Zugriff 04.10.2022).


Surftipps:

www.medi.de/fachhandel
www.medi.de/veranstaltungen
www.medi.de/fachhandel/weiterbildung/anmeldung/
www.medi.biz/circaid
www.medi.de/digitale-anwendungen/diga-companion-patella/


Zweckbestimmungen:

Die Digitale Gesundheitsanwendung companion patella ist ein therapeutisches Trainingsprogramm. Die Nutzung ist für Anwender mit diagnostiziertem „Vorderen Knieschmerz“ vorgesehen.

Dabei werden den Nutzern individualisierte Therapieinhalte evidenzbasiert und leitliniengerecht für die ärztlich diagnostizierten Indikationen „Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFSS)“ „Patellaspitzensyndrom (PSS)“ und „Patellaerstluxation“ zum Eigentraining bereitgestellt.

Basierend auf persönlichen Angaben des Anwenders zu Schmerz- und Belastungsempfinden, wird der bewegungstherapeutische Trainingsplan im Verlauf der Therapie kontinuierlich an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers angepasst. Zusätzlich bereitet die digitale Gesundheitsanwendung Daten zu Krankheitsverlauf und Trainingsaktivität für den Nutzer graphisch auf.

Neben der Bewegungstherapie bietet ein edukativer Bereich innerhalb der digitalen Gesundheitsanwendung sowohl krankheitsspezifische als auch allgemeine medizinische Wissensartikel.


medi – ich fühl mich besser. Das Unternehmen medi leistet einen maßgeblichen Beitrag, dass Menschen sich besser fühlen. Das Ziel ist es, Anwendern und Patienten maximale Therapieerfolge im medizinischen Bereich (medi Medical) und darüber hinaus ein einzigartiges Körpergefühl im Sport- und Fashion-Segment (CEP und ITEM m6) zu ermöglichen. Die Leistungspalette von medi Medical umfasst medizinische Kompressionsstrümpfe, adaptive Kompressionsversorgungen, Bandagen, Orthesen, Thromboseprophylaxestrümpfe, Kompressionsbekleidung, orthopädische Einlagen und digitale Gesundheitslösungen. Zudem fließt die langjährige Erfahrung im Bereich der Kompressionstechnologie auch in die Entwicklung von Sport- und Fashion-Produkten mit ein. Der Grundstein für das international erfolgreiche Unternehmen wurde 1951 in Bayreuth gelegt. Heute gilt medi als einer der führenden Hersteller medizinischer Hilfsmittel und liefert mit einem Netzwerk aus Distributoren sowie eigenen Niederlassungen in über 90 Länder der Welt. www.medi.de, www.item-m6.com, www.cepsports.com

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