medi Woundcare

Neuer Geschäftsbereich bei medi

Effektive Behandlung von Wunden

Im jüngsten Geschäftsbereich „medi Woundcare“, der seit April 2015 besteht, geht es um die effektive Behandlung von Wunden, gerade bei Indikationen wie dem Ulcus cruris venosum (das offene Bein). Im Interview erläutern die medi Woundcare-Verantwortlichen Markus Brehm und Frank Hildmann die wichtigsten Hintergründe.

Handelsvertreter medi: Markus Brehm

Markus Brehm

Frank Hildmann

Warum hat medi einen weiteren Geschäftsbereich ins Leben gerufen?

Frank Hildmann: Mit dem Thema Wunde beschäftigen wir uns schon sehr lange. Genauer gesagt, versorgen wir Ulcus cruris venosum-Patienten seit zehn Jahren mit dem mediven ulcer kit. Genauso lange stehen wir – wie auch die Wettbewerber – vor der Herausforderung, die Patienten mit Kompressionsprodukten so effektiv zu versorgen, dass es zu einer ordentlichen Wundheilung kommen kann. Das funktionierte bisher nicht immer so, wie wir uns das gewünscht haben.

Wo liegen hier die Gründe dafür?

Frank Hildmann: Das Thema Kompression ist bei der Versorgung von Patienten mit Ulcus cruris sehr schwierig. Weder die Verordnungs- noch die Behandlungsseite sind ausreichend geschult, was die Kompressionsversorgung betrifft. Sie wissen zwar, dass sie komprimieren müssen, aber nicht genau wie.

Welche Lösung bietet medi jetzt?

Frank Hildmann: Vor drei Jahren hat medi das Unternehmen Circaid übernommen, das einen neuen Versorgungsansatz verfolgt. Es investiert seit vielen Jahren in die Entwicklung und Herstellung von unelastischen, adaptiven Kompressionsprodukten. Diese Produkte ergänzen unser bisheriges Sortiment ideal. Patienten können seitdem sowohl mit elastischen als auch mit unelastischen medi Kompressionsprodukten behandelt werden. Die Chance auf eine vollständige Wundheilung in der Therapiephase ist dadurch gestiegen. Darüber hinaus pflegen wir seit einigen Jahren eine Kooperation mit der Firma Welcare, die spezielle Wund-Reinigungstücher namens UCS Debridement herstellt. Mit diesen Produkten können wir Patienten von der Wundreinigung bis zur Kompression ideal versorgen und so beste Voraussetzungen für eine effektive Wundheilung schaffen. Das Besondere dabei ist, dass der Patient von Beginn an aktiv in seine Therapie integriert ist und seine Selbständigkeit erhalten bleibt.

Wie ergänzt Woundcare die Bereiche Hospital und Phlebologie?

Frank Hildmann: medi Woundcare passt perfekt zu vielen Indikationen und Produkten aus den Bereichen Hospital und Phlebologie. Nehmen wir das Beispiel Ulcus cruris venosum. In der Akutphase, wenn der Patient eine offene Wunde hat, bieten wir mit dem neuen Geschäftsbereich die passenden Produkte für eine geeignete Therapie. Ist die Wunde erfolgreich behandelt, also geschlossen, geht es mit Kompressionsstrümpfen weiter. Das bedeutet, wir sind das erste Glied einer kompletten medi Versorgungskette, die den Weg für die weitere Behandlung mit Produkten aus dem Bereich der Phlebologie oder Lymphologie bereitet. Diese bereichsübergreifende und aufeinander aufbauende Therapie ist ein großer Vorteil, sowohl für die Patienten als auch für die Behandelnden.

Wie setzt sich das Team des neuen Geschäftsbereiches zusammen?

Markus Brehm: Es gibt zertifizierte Wundmanager, die deutschlandweit im Markt agieren. Diese werden vom Außendienst aus dem Bereich Hospital unterstützt. Geführt wird medi Woundcare von Bayreuth aus durch den Geschäftsbereich Hospital. Die Department- und die Verkaufsleitung haben hier eine Doppelfunktion und leiten unter anderem die Wundmanager vor Ort an. Tatkräftig unterstützt uns hierbei das Produktmanagement.

Welche Aufgaben haben die Wundmanager genau?

Markus Brehm: Sie bedienen alle Kunden, die das Thema Wunde betrifft. Das sind Krankenhäuser, in denen die schwersten Fälle stationär behandelt werden, Allgemeinarztpraxen, Facharztpraxen, Pflegeheime oder auch Wundzentren. Die Kollegen sind vor Ort, um unsere Produkte zu präsentieren und vor allem deren Anwendung zu schulen. Entgegen der landläufigen Meinung, die Behandlung von chronischen Wunden habe vor allem etwas mit Wundauflagen zu tun, stellen wir die Kompression und die Wundreinigung in den Vordergrund.

Welche Produkte stehen bei medi Woundcare im Fokus?

Frank Hildmann: Es sind drei Produkte, die in den verschiedenen Phasen der Wundbehandlung eingesetzt werden. An erster Stelle steht die effektive Wundreinigung. Hier setzt das Wundreinigungssystem UCS Debridement an. Mit den speziellen Reinigungstüchern ist es möglich, die Wunde sorgfältig zu reinigen und sauber zu halten – ohne aggressive Substanzen zu verwenden. Denn eine der Voraussetzungen für eine schnelle Wundheilung sind saubere Wundverhältnisse und der Schutz neu wachsender Zellen. Danach liegt der Fokus auf der Ödembehandlung. Um das Ödem schnellstmöglich aus den Beinen zu entfernen, setzen wir auf die adaptive Kompressionsversorgung circaid juxtacures. Dieses circaid-Produkt verfügt über eine unelastische Kompression und somit eine hohe Wandstabilität rund um das Bein. Der Patient bleibt dabei mobil und kann durch seinen erhaltenen Bewegungsfreiraum die Kompressionsversorgung bei der Ödemreduktion unterstützen. Ergänzt wird das Sortiment mit unserem bewährten mediven ulcer kit. Das Kompressionsstrumpf-System mit zwei übereinander getragenen Strümpfen erlaubt eine 24-stündige Kompressionstherapie. Der Patient kann tagsüber, wenn er aktiv ist, zwei Strümpfe tragen und in der Nacht nur einen. Insofern stellen wir eine breite Palette zur Verfügung, die je nach Situation und Bedarf des Patienten zum Einsatz kommt.

Markus Brehm: Nicht zu vergessen die anschließende Rezidivprophylaxe mit mediven Kompressionsstrümpfen. Hier schließt sich der Versorgungskreis und die Rund- oder Flachstrickprodukte der Phlebologie-Kollegen kommen zum Einsatz.

Gibt es bei medi Woundcare auch Wundauflagen?

Frank Hildmann: Nein. Die Auswahl an Wundauflagen für die unterschiedlichen Heilungsphasen ist bereits sehr groß. Daher war es für uns keine Option, ein weiteres Produkt auf den Markt zu bringen. Die Wundauflage hat aber auch nur zu etwa 10 Prozent Anteil an der Wundheilung. Der Rest wird über eine saubere und komprimierte Wunde erreicht. Um diese 90 Prozent kümmern wir uns. International, beispielsweise in England und Holland, werden unsere Produkte bereits stark nachgefragt.

Wo können Patienten die medi Woundcare-Produkte erhalten?

Frank Hildmann: Wir vertreiben diese Produkte überall dort, wo Verbandmittel abgerechnet werden können. Damit grenzen wir uns gleichzeitig klar vom Hilfsmittel ab. Unsere Produkte haben eine Pharma-Zentralnummer und sind dadurch bei Krankenkassen als Verbandmittel erstattungsfähig. Mit dem Reinigungstuch UCS und mit circaid juxtacures wird der Versorgungsprozess in der Wundbehandlung erleichtert. Diese beiden Produkte können an Stelle von Kompressen und Wickelbinden eingesetzt werden. Der große Vorteil besteht in ihrer Handhabung und Anwendung. In der Vergangenheit wurden Kompressen und Wickelbinden als Verbandmittel abgerechnet. Damit es für den Sanitätsfachhandel, der weiterhin unser wichtigster Vertriebskanal sein wird, keine Veränderungen gibt, wird das auch zukünftig mit UCS und circaid juxtacures so sein.

Können die Produkte vom Arzt verordnet werden?

Markus Brehm: Ja. Und die Handhabung der Produkte ist sehr einfach.

Benötigen Patienten überhaupt die Hilfe von Therapeuten, nachdem man ihnen gezeigt hat, wie die Produkte funktionieren?

Frank Hildmann: Normalerweise nicht. Das ist auch der große Vorteil unserer Produkte. Aufgrund der einfachen Handhabung versetzen wir die Patienten in die Lage, eigenverantwortlich und aktiv an ihrer Therapie mitzuwirken. Den richtigen Umgang mit den Produkten erfahren die Patienten durch Wundberater. Das können Ärzte, Mitarbeiter in speziellen Wundzentren, Experten bei Homecare-Dienstleistern oder auch im Sanitätsfachhandel sein. Diese Spezialisten werden von uns geschult, wie sie unsere Produkte richtig anlegen, wie die Druckeinstellung funktioniert und wie sie dieses Wissen an die Patienten weitergeben.

Wie finden Patienten ein Wundzentrum?

Frank Hildmann: Ein Wundzentrum kann eine Arztpraxis sein, ein spezialisiertes Versorgungszentrum oder eine Einrichtung, die mit speziellen Therapiekonzepten ausgestattet ist und die Patienten-Versorgung vor Ort übernimmt. Es können aber auch Ein-Mann-Unternehmen sein, die sich auf den Bereich Wundbehandlung spezialisiert haben.

Markus Brehm: Wir treffen auch immer wieder auf Einzelkämpfer, also beispielsweise Gesundheits- und Krankenpfleger, die eine Fachweiterbildung als Wundmanager haben. Die sind sich des großen Handlungsbedarfs bewusst. Gerade auf dem Land, wo es eben keine Wundzentren gibt, besuchen diese Spezialisten in Eigenregie neben ihrem normalen Job Patienten. Das ist quasi eine mobile Wundsprechstunde. All diese Multiplikatoren zu identifizieren und zu kontaktieren, ist im Moment die größte Herausforderung.

Seit wann gibt es diese Wundmanager?

Frank Hildmann: Zertifizierte Wundmanager gibt es seit Gründung der Deutschen Gesellschaft für Wundbehandlung e.V. (DGfW). Das war 1996. medi hat seit Februar dieses Jahres eigene Wundmanager.

Wie ist der aktuelle Wissensstand im Markt?

Frank Hildmann: Mittlerweile hat es sich in der Fachwelt herumgesprochen, dass auch in Deutschland die Patientenversorgung mit unelastischer Kompression möglich ist. Bei Vortragsveranstaltungen der Initiative Chronische Wunde e.V. (ICW) oder bei der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW) wurde bereits mehrfach darüber berichtet. Wir sind daher zuversichtlich, dass sich das Wissen um diesen Ansatz sehr schnell verbreitet und wir damit erfolgreich sein werden.

Markus Brehm: Beim Deutschen Wund- und Pflegekongress in Bremen bekamen wir positives Feedback: „Endlich eine echte Erleichterung für die tägliche Arbeit“, sagten viele Besucher. Solche Rückmeldungen geben uns Antrieb.

Außerhalb Deutschlands sind die Produkte ja bereits etabliert.

Frank Hildmann: Richtig. medi Großbritannien war die erste medi Niederlassung, die 2009 begonnen hat, speziell mit circaid juxtacures zu arbeiten. Auch in Holland gibt es seit rund sechs Jahren diese Produkte. Wir können daher auf ausreichend Erfahrung unserer internationalen Kollegen zurückgreifen.

Welchen generellen Mehrwert sehen Sie nun in Deutschland?

Markus Brehm: medi kann nun die Anforderungen des Marktes umfassend bedienen. Unsere Kunden – seien es Kliniken, Ärzte, Sanitätshäuser, Therapeuten oder Anwender – profitieren davon, dass wir ihnen für viele Problemsituationen Produktlösungen und Versorgungskonzepte bieten. Der Geschäftsbereich medi Woundcare schließt eine Lücke und ermöglicht eine umfassende Versorgung mit medi Produkten über verschiedene Stadien hinweg. Kommt diese Therapiekette zur Anwendung, profitieren Patienten und Behandelnde. Dafür setzen wir uns jeden Tag ein.

Vielen Dank für das Interview.

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