medi Fachsymposium

Themenhintergrund und Referenten

Stift Mann Workshop Thrombose

Der Themenhintergrund

In dieser Fachveranstaltung erhielten die Teilnehmer eine Übersicht hinsichtlich der neusten gesetzlichen Entwicklungen zur Thromboseprophylaxe, ferner wurden Strategien zur präventiven Vermeidung von haftungsrechtlichen Inanspruchnahmen vorgestellt.

40.000 tödlich verlaufende Lungenembolien pro Jahr

Nach Expertenschätzungen sterben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Menschen an Lungenembolien aufgrund von Thromben aus tiefen Bein- und Beckenvenen. Im Mittelpunkt des medizinischen Vortrags wurden wesentliche Inhalte der aktuellen AWMF-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie“ sowie die Bedeutung der verschiedenen Empfehlungsgrade am Beispiel ausgewählter pharmakologischer und physikalischer Maßnahmen erläutert.

Der Pathologe Rudolf Virchow hat bereits im 19. Jahrhundert die Entstehungsursachen von Thrombosen untersucht. Trotz aller medizinischen und pflegerischen Fortschritte sind thromboembolische Komplikationslagen auch heute noch ein gravierendes Problem im medizinischen und pflegerischen Alltag. Aus der vorbezeichnet beschriebenen Situation können sich haftungsrechtliche Folgen für die Einrichtungen des Gesundheitswesens und deren Personal ergeben: In zunehmendem Maße werden Schadensersatzforderungen von Kostenträgern oder den betroffenen Patienten bzw. Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen geltend gemacht.

Schadensvermeidung muss daher zum Wohle der Patienten und Bewohner oberstes Gebot sein. Die Etablierung von präventiven Behandlungsszenarien, die sich auf die aktuellsten Erkenntnisse der Medizin und Pflegewissenschaft beziehen, ist damit unerlässliche Voraussetzung zur erfolgreichen Vermeidung einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme. Neben der Haftungsvermeidung ist die Absicherung eines möglichen Schadeneintritts von übergeordneter Bedeutung, um der eigenen Existenzsicherung und sorgenfreien Patienten-/Bewohnerversorgung gerecht werden zu können.

Die ständige Besorgnis im Schadensfalle persönlich in Anspruch genommen zu werden, würde Mediziner und Pflegende in die Defensive drängen. Der medizinische Alltag erfordert aber oftmals ein beherztes Einschreiten, um die Patienten- und Bewohnersicherheit zu gewährleisten.

Die Referenten

Die erfahrenen Referenten aus den Bereichen Medizin und Recht beleuchteten die Themenstellungen hierbei aus ihren jeweiligen beruflichen Perspektiven und gaben damit wertvolle Hinweise für die tägliche Praxis.

Prof. Dr. Christian Waydhas: Vermeidung von Thrombosen - zwischen Wissenschaft, Leitlinien und Individualmedizin

In seinem Einführungsvortrag widmet sich Herr Prof. Dr. Waydhas zunächst den Hintergründen zur Entstehung der S3-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie“. Im Anschluss werden auf der Grundlage einer patienten-individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung ausgewählte Empfehlungen der Leitlinie zum Einsatz medizinischer Thromboseprophylaxestrümpfe vorgestellt. Den Abschluss bildet eine Analyse der Anforderungen an die Patientenaufklärung. Diese ist gemäß den Vorgaben der Leitlinie zwingend erforderlich. Das Aufklärungsgespräch sollte in seinen wesentlichen Inhalten ebenso wie der etwaige Verzicht auf eine Prophylaxemaßnahme schriftlich dokumentiert werden.

Herr Prof. Dr. Waydhas ist stellvertretender Direktor und Leiter Intensivmedizin der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Essen. Herr Prof. Dr. Waydhas ist Mitglied der Steuergruppe der S3-Leitlinie der AWMF zur "Prophylaxe der venösen Thromboembolie". Er ist Teilnehmer an mehreren Studien zur Thromboseprophylaxe in der Orthopädie und Unfallchirurgie.

Prof. Dr. Volker Großkopf: Thromboseprophylaxe – eine haftungsrechtliche Herausforderung

Prof. Dr. Großkopf analysiert zunächst das haftungsrechtliche Risikopotential bei der Thromboseprophylaxe aus der Perspektive der Dokumentation, der Patientenaufklärung sowie des Einsatzes geeigneten Personals. Vor dem Hintergrund der rechtlichen Verbindlichkeit von Leitlinien werden anschließend die Anspruchsvoraussetzungen für eine zivilrechtliche Inanspruchnahme erläutert: „Wenn die Klinik bestimmte Empfehlungen der Leitlinie, die den aktuellen Stand der Wissenschaft und Forschung repräsentiert, aus Prinzip ignoriert, kann dies zu einer schuldhaften Sorgfaltspflichtverletzung führen.“

Prof. Dr. Volker Großkopf ist an der Katholischen Hochschule NRW verantwortlich für das Lehrgebiet Rechtswissenschaften in den Studiengängen Pflegewissenschaft, Pflegemanagement und dem Ärztestudiengang Krankenhausmanagement. Seine anwaltlichen Schwerpunkte sind das Arzt- und Pflegehaftungsecht.

Herr Prof. Großkopf ist ferner Mitautor verschiedener Fachbücher sowie Herausgeber der Zeitschrift "Rechtsdepesche für das Gesundheitswesen" und Leiter des Fortbildungsinstituts "PWG-Seminare".

Stefan Knoch: die Haftpflichtsituation im Gesundheitswesen – ein Versicherungsschutz beginnt zu bröckeln

Aus Sicht eines Haftpflichtversicherers für Einrichtungen im Gesundheitswesen erläutert RA Knoch die möglichen Auswirkungen eines mangelhaften Risikomanagements auf den Versicherungsschutz. Die zunehmende Schadenshäufigkeit und steigende Schadensaufwendungen führen einerseits zu steigenden Versicherungsprämien, andererseits ziehen sich Haftpflichtversicherer vermehrt aus dem Gesundheitswesen zurück. Um bestehenden und zukünftigen Anforderungen der Versicherer gerecht zu werden, empfiehlt er den Einrichtungen ein leitlinienkonformes Vorgehen bei der Thromboseprophylaxe. Präventive Strategien im Sinne eines umfassenden Risikomanagements helfen, die zu erwartenden Haftpflichtgefahren zu beherrschen.

Stefan Koch ist Rechtsanwalt, Prokurist sowie Abteilungsleiter Heilwesen der Assekuranz AG, Luxemburg. Die Assekuranz AG hat sich auf das Gesundheitswesen spezialisiert und hat insbesondere für Hochrisikobereiche besondere Lösungsansätze erarbeitet.

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