FAQ bei der Versorgung mit Hilfsmitteln

Empfehlungen zur Versorgung mit Hilfsmitteln im Zusammenhang mit dem Coronavirus

Hilfsmittelversorgung

FAQ bei der Versorgung mit Hilfsmitteln im Zusammenhang mit dem Coronavirus

In Deutschland wie auch weltweit werden immer mehr Infektionsfälle aufgrund des Coronavirus gemeldet. Zur Sicherung der Versorgung mit Hilfsmitteln bzw. Pflegehilfsmitteln hat der GKV-Spitzenverband, wie auch die AOK Bayern Empfehlungen herausgegeben. Ziel ist es, die Versorgung in der außerordentlichen Situation zu erleichtern und aufrechtzuerhalten. Die Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes wurden mit allen Kassenartenvertretern abgestimmt und gelten zunächst bis zum 31. Mai 2020.

Verordnung

Wie ist mit Krankenhaus-Entlassungen ohne Verordnung umzugehen?

Empfehlung AOK Bayern:

Soweit zur Krankenhaus-Entlassung notwendige Hilfsmittel ohne schriftliche ärztliche Veranlassung unkritisch abgegeben werden können, können Verordnungen nachträglich angefordert werden – Abrechnungen sind dann auch möglich, wenn die Lieferung vor der Ausstellung der Verordnung erfolgte.

Vertragsärztliche Verordnungen für notwendige Erstversorgungen können auf Grund der Überlastung in den Arztpraxen nicht organisiert werden.

Empfehlung AOK Bayern:

Soweit eine erstmalige Abgabe notwendiger Hilfsmittel ohne schriftliche ärztliche Veranlassung möglich und unkritisch ist, können Verordnungen nachträglich angefordert werden – Abrechnungen sind dann auch möglich, wenn die Lieferung vor der Ausstellung der Verordnung erfolgte.

Empfehlung GKV Spitzenverband:

Nicht aufschiebbare (Erst-)Versorgungen können im Ermessen des Leistungserbringers auch ohne Vorliegen einer vertragsärztlichen Verordnung begonnen werden. Für die Abrechnung bleibt die Vorlage der Verordnung unverzichtbar. Bei der Abrechnung wird nicht geprüft, ob die Verordnung erst nach dem Lieferdatum ausgestellt wurde. Dies gilt auch, wenn Genehmigungsfreiheit vertraglich vereinbart wurde; diese bleibt bestehen.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel kann notwendige und unkritische Hilfsmittel ohne schriftliche Verordnungen in eigenem Ermessen abgeben. Die Verordnung kann nach dem Lieferdatum ausgestellt werden. Die Verordnung muss zum späteren Zeitpunkt nachgereicht werden. Für die Abrechnung ist die Verordnung unverzichtbar.

Achtung: Ob und wann die Art des Hilfsmittels es zulässt und die Abgabe unkritisch ist, ist oftmals eine Einzelfallentscheidung und kann nicht produktgruppenübergreifend definiert werden. Kompressionsstrümpfe werden grundsätzlich als kritisch gesehen, das heißt hier ist auch weiterhin das Vorliegen einer Verordnung bei Beginn der Versorgung erforderlich. Bei Orthesen muss immer der jeweilige Einzelfall betrachtet werden. Ferner stellen Kompressionshilfsmittel eine aufschiebbare Leistung dar, es sei denn, der Verordner verlangt eine gewisse Dringlichkeit auf Grund von zum Beispiel Thrombose oder Thrombosegefahr.

Verordnungen für notwendige Folgeversorgungen können auf Grund der Überlastung in den Arztpraxen nicht organisiert werden.

Empfehlungen AOK Bayern:

Bei Folgeversorgungen / Nachlieferungen wird auf die Vorlage einer ärztlichen Verordnung verzichtet.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Auf eine Folgeverordnung wird bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln wie Inkontinenzhilfen oder Stomaartikel verzichtet, sofern die Erstversorgung bereits von der Krankenkasse genehmigt oder Genehmigungsfreiheit vertraglich vereinbart wurde.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel kann ohne ärztliche Verordnung die Folgeversorgung / Nachlieferung von Verbrauchshilfsmitteln organisieren.

Achtung: Eine entsprechende Regelung für Gebrauchshilfsmittel, worunter auch die Produktgruppen 02/05/08/17/23 fallen, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Für eine Folgeversorgung mit diesen Produktgruppen ist daher auch weiterhin eine ärztliche Verordnung notwendig.

Ist eine "Aussetzung" der 28-Tage-Frist bei Verordnungen möglich?

Empfehlungen AOK Bayern:

Die 28-Tage-Regelung nach der Hilfsmittel-Richtlinie (HilfsM-RL) wird für Verordnungen ab 18.02.2020 ausgesetzt.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Die Prüfung der gemäß § 8 Absatz 2 der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegten Frist von 28 Kalendertagen, innerhalb derer die Hilfsmittelversorgung nach Ausstellung der Verordnung aufgenommen werden muss, wird ausgesetzt. Eine derartige Frist wird von den Krankenkassen auch dann nicht geprüft, wenn sie sich aus den Verträgen ergibt.

Bedeutung für medi:

Verordnungen, die im Zeitraum 18.02.-31.05.2020 ausgestellt werden, verlieren ihre Gültigkeit nicht nach 28 Tagen.

Empfang

Empfangsbestätigungen können nicht eingeholt werden, weil der Zutritt in Einrichtungen nicht möglich ist oder in der Häuslichkeit Infektionsgefahr besteht (Lieferungen erfolgen nur bis zur Haustür).

Empfehlungen AOK Bayern:

Übergangsweise wird in diesen Fällen auf die Empfangsbestätigung durch den Versicherten verzichtet. Anstelle dessen bestätigt der Leistungserbringer die Abgabe / Lieferung auf der Empfangsbestätigung / Verordnung.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Der Leistungserbringer oder die zustellende Person unterzeichnet die Dokumente an den Stellen, wo im Normalfall die Unterschrift der Versicherten vorgesehen ist und macht deutlich, dass die Unterzeichnung durch ihn aufgrund der Corona-Pandemie notwendig war. Es richtet sich nach den vertraglichen Regelungen, ob und wann die Unterlagen bei der Krankenkasse einzureichen sind.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel kann die Lieferung / Abgabe auf der Verordnung / Empfangsbestätigung vermerken, wenn der Zugang zum Kunden nicht möglich ist.

Einweisung

Versicherte in Einrichtungen können nicht in das Hilfsmittel eingewiesen werden, weil der Zutritt nicht möglich ist.

Empfehlungen AOK Bayern:

Die Einweisung kann an Pflegekräfte delegiert werden – der Leistungserbringer vermerkt dies in der Versorgungsdokumentation.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Beratungen oder Hinweise zur Einweisung in den Gebrauch der Hilfsmittel können telefonisch, per E-Mail, per Verweis auf Videoeinweisungen oder durch digitale Medien erfolgen, soweit dies aufgrund der Art des Hilfsmittels vertretbar ist.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel muss die Einweisung nicht selbst vornehmen, wenn der Zugang zur Einrichtung beschränkt ist. Dies kann durch den Pflegedienst erfolgen.

Versicherte können zu Hause nicht persönlich eingewiesen werden, weil Infektionsgefahr besteht.

Empfehlungen AOK Bayern:

Die Einweisung der Versicherten / Angehörigen / Pflegekräfte kann telefonisch oder digital erfolgen – der Leistungserbringer vermerkt dies in der Versorgungsdokumentation.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Beratungen oder Hinweise zur Einweisung in den Gebrauch der Hilfsmittel können telefonisch, per E-Mail, per Verweis auf Videoeinweisungen oder durch digitale Medien erfolgen, soweit dies aufgrund der Art des Hilfsmittels vertretbar ist.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel kann die Einweisung in den Gebrauch des Hilfsmittels telefonisch, per E-Mail oder Videoeinweisung durchführen, wenn in der Einrichtung Infektionsgefahr besteht.

Voraussetzung: Das Hilfsmittel kann auf diese Art und Weise erklärt und der Gebrauch dargestellt werden.

Tipp: Nutzen Sie dazu unsere zahlreichen Anziehvideos auf www.medi.de, in unserem Vimeo Kanal unter vimeo.com/medivideo/videos oder in der kostenlosen App"medi insider".

Bedarfsermittlung

Eine vertraglich vorgesehene, persönliche Bedarfsermittlung (zum Beispiel Dekubitus) kann zu Hause nicht durchgeführt werden.

Empfehlungen AOK Bayern:

Die Bedarfsermittlung kann telefonisch mit Hilfe des Arztes / der Pflegekräfte erfolgen. Dies ist auf dem Erhebungsbogen zu vermerken.

Abgabe / Lieferung

Die Abgabe von Hilfsmitteln kann wegen Infektionsgefahr nicht persönlich im Laden, in Einrichtungen oder zu Hause beim Versicherten erfolgen.

Empfehlungen AOK Bayern:

Auslieferungen können im konkreten Einzelfall, sofern die Art des Hilfsmittels es zulässt und die Abgabe unkritisch ist, bis auf Weiteres auf dem Versandweg erfolgen.

Empfehlungen GKV Spitzenverband:

Angesichts der erforderlichen Kontaktreduzierung sollen persönliche Kontakte zwischen Versicherten und Leistungserbringern vermieden werden. Hilfsmittel können daher vorrangig per Versand an die Versicherten abgegeben werden, sofern ein persönlicher Kontakt zum Beispiel zur Anpassung des Hilfsmittels nicht zwingend erforderlich ist. Sofern vertraglich vereinbarte Lieferfristen aus triftigem Grund nicht eingehalten werden können (zum Beispiel aufgrund von Lieferengpässen oder befristeten Quarantänemaßnahmen beim Versicherten oder beim Leistungserbringer), sieht die Krankenkasse von Vertragsstrafen / Sanktionen ab. Dies gilt auch für die nicht fristgerechte Erfüllung vertraglicher oder gesetzlicher Pflichten wie Wartungen oder sicherheitstechnische Kontrollen. Ferner trifft dies auf Fristen zu, binnen derer nach erteilten Genehmigungen zu versorgen ist.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel sollte die Produkte auf dem Postweg versenden, wenn eine Anpassung des Hilfsmittels nicht zwingend erforderlich ist, die Art des Hilfsmittels es zulässt und die Abgabe unkritisch ist. Krankenkassen sehen von Vertragsstrafen und Sanktionen bei vertraglich vereinbarten Lieferfristen ab, wenn ein triftiger Grund vorliegt (zum Beispiel aufgrund von Lieferengpässen oder befristeten Quarantänemaßnahmen beim Versicherten oder beim Leistungserbringer).

Achtung: Ob und wann ein Hilfsmittel zwingend angepasst werden muss beziehungsweise die Art des Hilfsmittels es zulässt und die Abgabe unkritisch ist, ist oftmals eine Einzelfallentscheidung und kann nicht übergreifend definiert werden. Bei bestimmten Orthesen dürfte ein Anpassungsbedarf in der Regel gegeben und damit einhergehend die Abgabe eher kritisch sein. Die Direktlieferung durch den Hersteller im Auftrag des Fachhandels an den Patienten ist weiterhin nicht zulässig.

Rückholung

Wie sollen sich Leistungserbringer verhalten, wenn die Rückholung eines Hilfsmittels aufgrund von Zutrittsbeschränkungen oder Verdachtsfällen nicht möglich ist?

Empfehlungen AOK Bayern:

Der Umstand soll im MIP-System erfasst werden und die Rückholung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Bedeutung für medi:

Rückholungen im MIP-System erfassen und zu einem späteren Zeitpunkt durchführen.

Wartungen

Wie ist damit umzugehen, wenn Wartungen und sicherheitstechnische Kontrollen (STK) aufgrund von Infektionsgefahr nicht durchführbar sind?

Empfehlungen AOK Bayern:

Soweit vertretbar, sind Wartungen und STK auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Unmöglichkeit der Ausführung soll dokumentiert werden.

Bedeutung für medi:

Solange vertretbar, Wartungen verschieben. Unmögliche Wartungen und sicherheitstechnische Kontrollen sind zu dokumentieren.

Wiedereinsatz

Wie ist mit möglichen Verzögerungen bei der Auslieferung aufgrund der Quarantäne für zurückgeholte Hilfsmittel oder bei einem Mangel an Desinfektionsmittel umzugehen?

Empfehlungen AOK Bayern:

In diesen Fällen kann bei nicht aufschiebbaren Versorgungen auf neue Hilfsmittel zurückgegriffen werden.

Bedeutung für medi:

Der Fachhandel kann auf neue Produkte zurückgreifen.

Alle Informationen zum Download

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