Das relative Risiko, während der Schwangerschaft und im Wochenbett eine tiefe Bein- und/oder Beckenvenenthrombose zu erleiden, ist um das fünf- bis sechsfache höher als außerhalb der Gravidität.
Die Angaben zur Häufigkeit einer Thrombose liegen weit auseinander, da die objektiven diagnostischen Verfahren, wie die Phlebographie oder auch der Radiofibrinogen-Test, in der Regel während der Schwangerschaft gar nicht oder nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Darüber hinaus sind die klinischen Zeichen der Thrombose unsicher und die Abgrenzung zwischen oberflächlicher Thrombophlebitis und tiefer Thrombose oft schwierig.
Der Häufigkeitsgipfel der Schwangerschaftsthrombose liegt im zweiten Schwangerschaftstertial. Das linke Bein ist sehr viel häufiger als das rechte Bein betroffen, ursächlich dürfte die Kompression der linken Vena iliaca durch die darüber kreuzende rechte Arteria iliaca sein.
Pathogenese der Schwangerschaftsthrombose
Auch für die Entstehung der Schwangerschaftsthrombosen sind die drei pathogenetischen Faktoren der Virchowschen Trias von entscheidender Bedeutung:
- die Störungen der Zirkulation
- eine veränderte Blutzusammensetzung und
- die Gefäßintegrität
Eine Schwangerschaftsthrombose kann die Folge einer Zirkulationsstörung in den unteren Extremitäten sein, die durch Unterbindung (Obstruktion) des venösen Rückflusses aufgrund des sich vergrößernden Uterus ausgelöst wird.
Verstärkt wird die Thrombosegefahr durch entsprechende Veränderung des Gerinnungssystems, da häufig eine deutliche Zunahme der Synthese von plasmatischen Gerinnungsfaktoren und der Thrombozyten zu beobachten ist.
Insbesondere kann es zu einer starken Erhöhung des Fibrinogenspiegels bis auf das Doppelte (400 bis 650 mg/dl) in der späteren Schwangerschaft kommen. Darüber hinaus ist auch eine Abnahme der Faktoren des Fibrinolysesystems zu beobachten.
Die nach Sectio (Kaiserschnitt) auftretenden tiefen Bein- und Beckenvenenthrombosen liegen ohne Antikoagulantienprophylaxe in der Größenordnung von drei Prozent bis acht Prozent - sie sind somit vier bis acht mal häufiger als nach vaginaler Entbindung. Die Embolieletalität (Sterblichkeit) beträgt zwei Prozent bis drei Prozent und liegt somit zehn mal höher als nach Spontangeburten.
Ursprünglich kommt eine operationsbedingte Gefäß- und Gewebetraumatisierung mit erhöhter Einschwemmung thromboplastischen Materials in die Zirkulation in Betracht. Dabei sind Patientinnen besonders gefährdet, die eine Infektion der periuterinen Gefäßabschnitte entwickeln.
Therapie der Schwangerschaftsthrombose
Thrombophlebitis ist eine oberflächliche Entzündung, die besonders häufig entlang der Vena saphena magna oder parva auftritt. Die Gerinnsel sind in der Regel klein und wegen des Venenverlaufs und der Klappenanatomie ist ein Gerinnselabriss in tiefe Venen ungewöhnlich.
Die Therapie besteht aus lokalen physikalischen Maßnahmen, nämlich Kompressionsstrümpfe, Alkoholumschlägen und Mobilisierung der Patientinnen.
Durch die Kompressionstherapie wird die Effizienz der Muskelpumpe der Beine und damit der venöse Rückstrom gefördert, was ein Fortschreiten der Thrombose verhindert.
Prophylaxe
Epidemiologisch belegte Risiken im Hinblick auf eine Thromboseentstehung in der Gravidität und im Wochenbett sind:
- ein höheres Lebensalter der Schwangeren
- vorangegangene thromboembolische Ereignisse
- Übergewicht
- Nikotinabusus
- Varikose sowie
- Zustand nach früher durchgemachter Sectio
Die Erfassung von Schwangeren, die hinsichtlich einer thromboembolischen Komplikation besonders gefährdet sind, sollte möglichst früh erfolgen.
Neben einer physikalischen (Kompressionsstrümpfe) und bewegungstherapeutischen Prophylaxe ist je nach Schweregrad der Gefährdung eine medikamentöse Thromboseprophylaxe notwendig.
Wegen der einfachen und sicheren Handhabung wird hier meist niedermolekulares Heparin eingesetzt (z. B. Fragmin P oder Fraxiparin). Diese Medikamente werden einmal täglich mit einer entsprechenden Fertigspritze verabreicht.
Hyperkoagulabilität in der Schwangerschaft
Eine Reihe von angeborenen und erworbenen Erkrankungen führt schon außerhalb, daher um so mehr innerhalb der Schwangerschaft zu einer erhöhten Inzidenz (Auftretenshäufigkeit) thromboembolischer Komplikationen.
Neben der Behandlung der Grunderkrankung ist während der Schwangerschaft eine besonders sorgfältige physikalische und medikamentöse Thromboseprophylaxe erforderlich.

Thromboseprophylaxe
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