Risiken

Wann ist besondere Vorsicht geboten?

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Thrombosefördernde Faktoren stellen in Verbindung mit einer genuinen (anlagebedingten) Disposition zur Veränderung der Venenwand mit ca. 90% die Hauptursache für eine Thrombose dar.

Das Alter des Menschen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Anzahl und Ausprägung von Venenerkrankungen steigen mit zunehmenden Alter.

Primär sind Frauen stärker gefährdet, an einer Thrombose zu erkranken, als Männer. Ihr Risiko ist 2,3 mal höher. Dafür sind u. a. die weiblichen Hormone verantwortlich.

Desweiteren konnte nachgewiesen werden, dass die häufige Kombination von Hormontherapie (z. B. Antibabypille) und Nikotinabusus (Nikotinabhängigkeit) das Thromboserisiko bei Frauen deutlich erhöht.

Epidemiologische Daten belegen, dass folgende Faktoren eine Thromboseentstehung begünstigen.

Gefäßinnenwandschaden (Endothelschaden)

  • chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
  • Krampfadern (Varikosis)
  • bereits durchgemachte Thrombosen
  • arterielle Durchblutungsstörungen (AVK)
  • Alter

Mangelhafte Blutzirkulation - verlangsamter venöser Rückfluss (Hypozirkulation)

  • einengende Kleidung
  • Wärmeanwendungen an den Beinen
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • Herzinsuffizienz
  • Herzinfarkt
  • längere Bettruhe und andere Formen mangelnder Bewegungsmöglichkeiten, z. B. Gips, Schienenlagerung, Lähmungen
  • lange sitzende oder stehende Berufstätigkeit
  • Flug- oder Autoreisen mit abgewinkelten Beinen
  • Die Gefahr, die hiervon ausgeht, darf nicht unterschätzt werden, vor allem dann nicht, wenn bereits Venenerkrankungen vorliegen bzw. durchgemacht wurden.

Veränderung der Blutzusammensetzung, erhöhte Blutgerinnungsneigung (Hyperkoagulabilität)

  • Antikonzeptiva (Antibabypille)
  • Wochenbett
  • Rauchen
  • bestimmte Medikamente wie Diuretika, Steroide
  • schwere Verletzungen, Knochenbrüche der unteren Extremitäten
  • maligne Erkrankungen (Krebserkrankungen)
  • schwere Entzündungen - Sepsis (Blutvergiftung)
  • operative Eingriffe

Auf der Basis aussagekräftiger Studien wurden von Konsensusgruppen in Europa drei Risikokategorien zur Einschätzung des individuellen Thromboserisikos definiert.

Es wird anhand definierter Kriterien in ein hohes, mittleres und niedriges Thromboserisiko unterschieden.

Außerdem wurde eine Differenzierung zwischen operativen und konservativen Therapiebereichen vorgenommen.

Hohes Risiko besteht bei

  • größeren Operationen (über 60 Jahre)
  • großen Eingriffen (40 bis 60 Jahre, bei Malignom oder früherer Thromboembolie)
  • Frakturen oder größeren orthopädichen Eingriffen an Becken, Hüfte oder Bein
  • Thrombophilie
  • Schlaganfall (über 70 Jahre)
  • kardialer Dekompensation
  • Schock
  • Thromboembolie in der Vorgeschichte

Mittleres Risiko besteht bei

  • großen Eingriffen (40 bis 60 Jahre ohne weitere Risikofaktoren)
  • kleineren Eingriffen (über 60 Jahre)
  • kleiner Chirurgie (ab 40 Jahre bei früherer Thromboembolie oder Östrogentherapie)
  • Immobilität
  • kardialer Insuffizienz

Niedriges Risiko besteht bei:

  • großer Chirurgie (bis 40 Jahre ohne Risikofaktoren)
  • kleiner Chirurgie, kleinen Traumen ohne Risikofaktoren (40 bis 60 Jahre)
  • leichten internistischen Erkrankungen

Derzeit ist kein einfaches, den Patienten nicht belastendes Screening-Verfahren verfügbar, um alle potentiell gefährdeten Patienten routinemäßig auf ihr individuelles Thrombose- bzw. Embolierisiko hin zu untersuchen. Es sollte aber in jedem Fall eine der Risikokategorie angepasste Thromboseprophylaxe durchgeführt werden. (Prof. Dr. med. Hugo Partsch, Wien, 1996)