Interview

M.4s: Das Flaggschiff von medi Orthopädie

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Hans-Peter Lehner und Klaus Herold

Interview zur M.4s Knieorthese mit dem Marketingleiter Orthopädie Hans-Peter Lehner und Juniorproduktmanager (Schwerpunkt Knie) Klaus Herold.

Hilfsmittel und (trotzdem) ein Hingucker!

Die neue M.4s ist die Nachfolgerin der M.4 Knieorthese. Sie macht nicht nur durch ihr futuristisches, schlankes Design in trendigem Weiß darauf aufmerksam, dass ein neues Zeitalter für Knieorthesen begonnen hat: Neben Optimierungen der Rahmengeometrie zur Förderung der Compliance gibt es eine entscheidende Neuerung auf dem Gebiet der Hygiene: Bevor die M.4s in den Markt gelangt, wird jede Lieferung durch ein unabhängiges Institut auf Keimarmut geprüft.

Seit wann ist die neue M.4s auf dem Markt?
Lehner: Seit dem 1. Oktober 2007. Sie wurde auf der AGA (Arbeitsgemeinschaft für Arthroskopie) in Köln und DGOUC (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie) in Berlin vorgestellt. Die Resonanz war sehr gut. Besonders im Hinblick auf das Design und auf die Überarbeitungen in Kombination mit den bewährten Eigenschaften, die die Vorgängerin M.4 schon hatte.

Was hat Sie dazu bewogen, die M.4 so grundlegend zu überarbeiten?
Lehner: Unsere M.4 Knieorthese ist jetzt seit fünf Jahren auf dem Markt. Es wurde Zeit, die Knieorthese im Hinblick auf Qualität und Patienten-Compliance zu überdenken. Wir wollten ebenso ein zeitgemäßes Design, das gerne angenommen wird. Es zählt nicht nur der Preis. In den fünf Jahren sind Plagiate auf den Markt gekommen, die dem Originalprodukt optisch sehr nahe kommen. Auch wenn Plagiate ärgerlich sind, ehren sie das hauseigene Produkt, denn: nur  gute Produkte werden kopiert. Plagiate sind aber auch ein Zeichen dafür, dass ein Produkt schon zu lange am Markt ist und es Zeit für neue Ansätze wird.

Worin bestehen die Unterschiede zur M.4?
Herold: Nichts ist schlimmer als ein Hilfsmittel, das rutscht. Die Wirkung wird verfälscht, und der Anwender empfindet sein Hilfsmittel als störend. Deshalb haben wir das Rutsch-Stopp-System verbessert: Gurt- und Rahmenpolster bieten nochmals verbesserte Haftung. Das neuartige Material ist feuchtigkeitsleitend und sehr hautfreundlich. Interne Tests haben ergeben, dass unsere Polster deutlich besser halten als die der Wettbewerber. Innenliegende Gurtösen mit versenkten Schraubenköpfen unterstützen das schlanke Erscheinungsbild der Knieorthese. Die wichtigste Veränderung ist aber, dass die M.4s von einem unabhängigen Institut auf Keimarmut geprüft wird, bevor sie unser Haus verlässt.

Bewährte Eigenschaften wurden beibehalten?
Herold: Es ist unklug, das Rad komplett neu zu erfinden, wenn man auf bewährten Eigenschaften aufbauen kann. Nach fünf Jahren M.4 und jeder Menge Feedbacks von Ärzten und Anwendern, z. B. aus den Reihen des Deutschen Skiverband+s, hat auch die M.4s das einzigartige physioglide-Gelenk.

Was ist darunter genau zu verstehen?
Herold: Das physioglide-Gelenk ahmt die Roll-Gleit-Bewegung des menschlichen Knies bestmöglich nach. Mit den Drehpunkten des Gelenks orientieren wir uns an der überschlagenden Viergelenkkette, die sich aus der komplexen Kniebewegung ergibt. Nur so ist die Verlängerung der Beinachsen auszugleichen und ein Rutschen der Orthese zu vermeiden.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit der M.4s an?
Lehner: Grundsätzlich sprechen wir alle an, auf deren Indikation die M.4s passt. Ein zügiger und optimaler Heilungsverlauf ist für jedermann wichtig. Was den hohen Ansprüchen eines Profisportlers entspricht, ist für Alltagsnutzer natürlich genauso hervorragend geeignet.

Bei welchen Indikationen wird die M.4s eingesetzt?
Die M.4s wird im Rahmen der konservativen und der postoperativen Behandlung verordnet: Bei Seitenband- und Meniskusläsionen wird die M.4s zur vorübergehenden Stabilisierung der verletzten Strukturen und Bänder getragen. Sie bietet den notwendigen Schutz vor unzuträglichen Gelenkbewegungen durch Extensions- und Flexionsbegrenzungen. Die M.4s wird auch zur Vermeidung einer Arthrose oder Behinderung eingesetzt. Postoperativ kommt die M.4s bei Kreuzbandrekonstruktionen sowie bei Meniskusrefixationen zum Einsatz – nicht zuletzt zur Sicherung des Transplantates während des Einheilungsprozesses.

Sind das dieselben Indikationen wie bei der M.4?
Lehner: Ja. An den Indikationen hat sich nichts geändert.

Die M.4s wird als „keimarm“ beworben. Ist das nicht selbstverständlich?
Herold: Nein, denn: Orthesen werden im Rahmen des Mietsystems der GKVs z. T. mehrfach eingesetzt. Zwar werden die Textilteile getauscht und die Orthese wird gereinigt. Das bedeutet aber längst nicht, dass der nächste Patient eine keimarme Orthese erhält, denn eine Aufbereitung unterliegt strengen Richtlinien. Das kann ein echtes Problem werden, vor allem wenn die Therapie auch Wundbehandlung mit einschließt. Das Problem der multiresistenten Keime ist ja bekannt.

Wie gehen Sie bei der Reinigung vor?
Herold: Bei uns gibt es keine Reinigung. Jede M.4s ist immer neu und geprüft keimarm. Dabei wird jede Charge durch ein unabhängiges Institut auf Keime überprüft. Erst nach Freigabe durch die Firma ecoScope wird die betreffende Produktion zur Einlagerung und Auslieferung vorbereitet. Im Rahmen des medi Sorglospakets holen wir jede Orthese beim Patienten wieder ab.


„Sorglospaket“ bedeutet was genau?
Lehner: Der Wiedereinsatz von Knieorthesen bedeutet mehr als „Polster wechseln“ und „feucht abwischen“. Nach Gesetzeslage trägt der Fachhändler die Produkthaftung für wieder in Verkehr gebrachte Orthesen. medi hat das Sorglospaket für das Mietsystem der gesetzlichen Krankenversicherungen entwickelt. Der Fachhändler erhält von medi immer und ausschließlich neue Knieorthesen, versorgt wie gewohnt den Patienten und meldet medi die Abgabe. Um den Rest kümmert sich medi – auch um die Rückholung der Orthese  vom Patienten. Die getragenen Orthesen werden umgehend vernichtet, so dass keine Wiederverwendung stattfinden kann. Der hochwertige Aluminiumrahmen wird dem Wertstoffkreislauf zugeführt, alle anderen Teile wandern in den Müll.

Die M.4s mutet mehr wie ein Accessoire als ein Hilfsmittel an.
Was steckt hinter dem außergewöhnlichen Design?
Lehner: Ziel war es, die neue Knieorthese schlanker, leichter und attraktiver zu gestalten. Mit unserem Flaggschiff wollten wir raus aus dem Einheitsbrei. Nur wenn der Endverbraucher sein Hilfsmittel gerne trägt, wird sich dies in der Compliance niederschlagen. Weiß ist derzeit die absolute Trendfarbe, wenn Sie z. B. an den iPod oder an Autos denken, die frisch auf den Markt kommen. Die M.4 s ist die einzige Knieorthese, die es serienmäßig in Weiß gibt. Der schlanke Rahmen erfüllt mit seiner offenen, leichten Konstruktion die Ansprüche modernen Designs. Hohe Stabilität bei gleichzeitig geringerem Gewicht. Das kommt nicht nur bei Sportlern sehr gut an.

Was bedeutet das „s“?
Lehner: Zunächst soll es auf das Sorglospaket verweisen. Sehr oft wird das „s“ auch zur Kennzeichnung für High-End-Produkte hergenommen, wie z. B. bei der S-Klasse von Mercedes. Die M.4s ist – kein Zweifel – ein High-End-Produkt. Deshalb kommt uns diese Interpretation natürlich ebenfalls sehr entgegen.